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Vinyl-Boom: Bald ein neues Schallplatten-Presswerk in Flandern

In Lokeren in der Provinz Ostflandern sollen ab Ende 2022 täglich 15.000 Vinyl-Schallplatten gepresst werden. Der Musiker und Produzent Tony De Block will hier angesichts der Rückkehr der guten alten Schallplatte, die immer populärer wird, auf einen fahrenden Zug aufspringen. Die Presswerke können der aktuellen Nachfrage auch in unserem Land kaum Herr werden, trotz hoher Verkaufspreise für Vinylplatten in den Plattenläden. Daran hat auch die britische Sängerin Adele schuld, denn ihre neueste Platte „30“ dominierte zeitweise mehrere europäischen Plattenfabriken… 

Tony De Block (Foto unten) aus Lokeren ist als Musiker und als Musikproduzent schon viele Jahre in diesem Business aktiv und so ist für ihn der Sprung zur Gründung eines Plattenpresswerks in seiner Heimatstadt denn auch eher ein logischer Schritt als ein mutiges Unterfangen. „Die Nachfrage ist stark angestiegen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt, doch ich muss ehrlich zugeben, dass es gerade nicht schlecht aussieht“, so De Block gegenüber dem VRT-Sender Radio 2.

„Bei den anderen Presswerken haben sie Wartezeiten von 9 Monaten bis anderthalb Jahren. Einige Presswerke nehmen sogar derzeit keine Aufträge mehr an“, so der 58-Jährige neue Unternehmer. Also scheinen Presswerke für Vinylplatten gerade eine Marktlücke zu sein: „Wir öffnen unsere Türen für jeden, der vorbeikommen will. Schon jetzt ist das Interesse enorm, ohne dass wir viel über unsere Fabrik kommuniziert haben.“

Belgian Vinyl Pressing Plant wird die Plattenfabrik heißen, in der in den kommenden Wochen die ersten der jeweils 3 Tonnen schweren Pressmaschinen aufgebaut werden: „Das sind Pheenix Alphas’s, die ich in Stockholm gekauft habe. Das ist weltweit der wichtigste Lieferant. Bis Ende 2022 werden wir hier 6 dieser Maschinen haben. Bis dahin werden wir 15.000 Platten pro Tag pressen.“ 

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Copyright Belgian Vinyl Pressing Plant

Neue Jobs schaffen

Tony De Block wird die Sache nicht alleine stemmen können. Er wird bis Ende 2022 bis zu 15 Leute anwerben, wie er gegenüber Radio 2 sagte: „Es ist eine Herausforderung, die richtigen Leute zu finden. Aber wir werden auf jeden Fall jungen Menschen die Möglichkeit bieten, von uns ausgebildet zu werden, um von hier aus Karriere in dieser Welt zu machen.“

Die erste Platte, die hier gepresst werden wird, könnte noch die einer Band oder eines Musikers sein, die De Block selbst produzieren wird, doch sicher ist das noch nicht: „Mit haben bereits dutzende Leute Vorschläge gemacht und da sind einige richtig große Leute bei…“ 

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Teure Vinylplatten

Noch gibt es zu wenige Presswerke. „30“ von Adele wird etwa 500.000 Mal gepresst und damit sind einige Fabriken alleine ausgelastet. Bei Record Industry im niederländischen Harlem stellen dort die 33 Pressen zwischen 40.000 und 50.000 LP’s pro Tag her. Hier braucht es 14 Tage, um einen Auftrag, wie den der Plattenfirma von Adele zu erledigen.

Nach einer Meldung des Musikfachblatts Billborard wurden 2020 rund 160 Millionen Schallplatten gepresst und dieses Jahr könnte diese Zahl doppelt so hoch liegen. Das bedeutet auch längere Wartezeiten in Belgien, wie Wout Lievens von Dunk!pressing, eines der beiden bestehenden Presswerke in Belgien unlängst gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen sagte: „Als wir vor drei Jahren angefangen haben, hatten wir Liefertermine von 8 Wochen. Jetzt rechnen wir mit 6 Monaten.“

Trotz voller Auftragsbücher werden die Platten aber immer teurer. Preise von 40 € für die neuen Platten von Billie Eilish, Adele oder der amerikanischen Band War on Drugs sind in den belgischen Plattenläden eher die Regel als die Ausnahme.

Für Staf De Vos vom Antwerpener Plattenladen FatKat Records bedeutet dies das Ende. Ihm bricht angesichts dieser Preise die Kundschaft weg und er macht seinen Laden zum Jahresende dicht, wie er gegenüber De Morgen sagte: „Ich habe die Preise für „III“ von Led Zeppelin von einem Tag auf den anderen um 110 % steigen sehen. Das ist krank. Das macht keinen Spaß mehr."

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AP2009

Wer trägt die Schuld an dieser Entwicklung?

Die Betroffenen weisen mit ihren Fingern auf die großen Plattenlabels Warner, Universal und Sony, die so viel Geld mit Streamings verdienen, dass ihnen der Plattenverkauf egal ist, so z.B. einige Plattenhändler in Belgien. Sie treiben die Preise nach oben, damit noch mehr Leute streamen und sie erschweren den Plattenläden auch, an die neuen Vinylplatten überhaupt zu kommen, heißt es da niedergeschlagen.

Hinzu kommen auch noch steigende Preise für Rohstoffe sowie Transport und Vertrieb. Das alles lässt darauf schließen, dass Vinylplatten über kurz oder lang ein Luxusprodukt werden. Vielleicht können noch regionale Fabriken hiervon profitieren, in dem sie Künstler aus dem eigenen Land produzieren, vertreiben und in den Handel bringen, wie dies Tony De Block aus Lokeren vorhat. Die Musiker, z.B. die in Belgien, brauchen LP’s und auch CD’s, um sie in erster Linie am Merchandising-Stand bei Konzerten verkaufen. Dies ist für sie neben der Konzertgage inzwischen eine wichtige Einnahmequelle geworden… 

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