Kronzeuge und Ex-Spieleragent Veljkovic bezahlte Fußballmanager mit Schwarzgeld und teuren Uhren

Der ehemalige Spieleragent Dejan Veljkovic, der eine zentrale Rolle im Betrugsskandal im belgischen Fußball spielt, hat sich am Dienstagabend zum ersten Mal seit Bekanntwerden der Affäre vor drei Jahren im VRT-Magazin Pano geäußert. Der Serbe sagte, Manager, Trainer und Schiedsrichter hätten ihn gefragt, ob er ihnen bei betrügerischen Finanzkonstruktionen helfen könne."

In dem Gespräch mit der Pano-Redaktion sprach Dejan Veljkovic u. a. davon, dass Vorschüsse an Lokeren-Trainer Peter Maes schwarz und in bar beim Vereinspräsidenten ausbezahlt wurden. Aufgrund von mehreren Verträgen soll Maes zwischen 2010 und 2018 über 2 Millionen Euro Schwarzgeld bekommen haben. Maes (Foto unten) bestritt die Aussagen von Veljkovi, der nur seine eigene Verantwortung minimieren wolle.

Deljkovic beschuldigt auch den ehemaligen Nationaltrainer Georges Leekens (Foto unten). Dieser soll die Ausbezahlung von Vorschüssen auf sein Trainergehalt unter der Hand erhalten haben. 

Als Leekens nach nur zwei Wochen beim Erstligisten Lokeren aussteigt, um die Roten Teufel zu trainieren, habe er sich geweigert, 200.000 Euro zurückzuzahlen. Stattdessen habe der dem Verein vorgeschlagen, einen Lokeren-Spieler in die Nationalelf zu berufen, den der Verein danach zu einem höheren Preis verkaufen könne. So geschehen mit dem Lokeren Linksaußen Derrick Thsimanga.

Oft musste Veljkovic einen Teil seiner Vermittlungsprovision für einen Transfer an einen Manager oder einen Trainer abgeben. Nach Angaben des Kronzeugen hat Anderlecht-Manager Herman Van Holsbeeck (Foto unten) bei vier Transfers Schwarzgeld und manchmal auch teure Rollex-Uhren erhalten. 

Mindestens 853.687 Euro unter der Hand gezahlt

Seinen Erinnerungen zufolge soll Dejan Veljkovic zwischen 2013 und 2018 mindestens 853.687 Euro schwarz an mindestens 15 Personen, Trainer und Mitglieder des Managements von Vereinen der  Jupiler Pro League gezahlt haben. Nach seinen Angaben tat er dies als Gegenleistung für die Hilfe, die er von diesen Personen bei der Beschaffung von Plätzen für Spieler aus seinem Portfolio erhielt.

Rechtsanwalt nennt Veljkovic einen Lügner

PDV

Eine der Personen, die angeblich über Veljkovic Schwarzgeld erhalten haben, ist Ivan Leko (oben), ehemaliger Trainer von OHL, STVV, Club Brugge und Antwerpen. Lekos Rechtsanwalt, Walter Van Steenbrugge, empörte sich am Mittwochmorgen über die Äußerungen von Veljkovic und nannte den ehemaligen Fußballagenten einen "Lügner".  Van Steenbrugge will Beweise vorlegen können, die Veljkovics Glaubwürdigkeit untergraben. 

Die Glaubwürdigkeit von Veljkovic ist sowohl für die Ermittlungen als auch für Veljkovic entscheidend. Sollte sich herausstellen, dass Veljkovic die Ermittler belogen hat, könnte sein Status als “repentiti” verfallen. 

Im Rahmen der "Operation Zero" führten Ermittler am 10. Oktober 2018 zeitgleich 44 Hausdurchsuchungen durch und wurden 29 Verdächtige festgenommen. 

Einer der Verdächtigen war der einflussreiche Spielervermittler Dejan Veljkovic. Im November traf er eine Vereinbarung mit der belgischen Staatsanwaltschaft und wurde damit zum ersten reuigen Straftäter in der belgischen Justizgeschichte. Er verpflichtete sich, wahrheitsgemäße und vollständige Erklärungen über seine Rolle und die von Dritten im Betrugsskandal abzugeben, der den belgischen Fußball Ende 2018 erschütterte.  

Im Gegenzug wird er zu einer fünfjährigen Haftstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 80.000 Euro verurteilt. Sein unrechtmäßig erworbenes Vermögen, das auf rund vier Millionen Euro geschätzt wird, wird beschlagnahmt.   

Die Staatsanwaltschaft hält Veljkovics Aussagen für glaubwürdig, die durch seine "Buchführung" untermauert werden. Es steht jedoch nicht fest, ob sie ausreichen werden, um die beteiligten Personen strafrechtlich zu verfolgen.  Es handelt sich laut dem Spielervermittler in den meisten Fällen um Geld, das in bar gegeben wurde und von dem es daher keine Spuren gibt. 

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