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Letzter Flug der ikonischen C-130: Armee nimmt Abschied vom "Herkules der belgischen Luftwaffe"

Am heutigen Freitag verabschiedet die belgische Armee sich von ihrem legendären Transportflugzeug C-130 (Foto). Fast ein halbes Jahrhundert lang flog die C-130 Hercules in Konfliktgebiete auf der ganzen Welt. Die Flugzeuge wurden 1972 in Dienst gestellt und haben seither unzählige wichtige Einsätze auf der ganzen Welt geflogen, von der Sahelzone bis nach Afghanistan.

Ohne die C130 wäre die belgische Luftwaffe nicht das, was sie heute ist. Das Transportflugzeug ist ein echter Allrounder, der die Armee nie im Stich gelassen hat.

Als am 25. Juli 1972 die erste C-130 Hercules in Melsbroek landete, stand die belgische Luftwaffe vor einem Quantensprung im strategischen und taktischen Lufttransport. Die zwölf C-130, die die veraltete Flotte der C-119 "Flying Boxcars" ersetzen, waren nicht nur größer und leistungsfähiger, sondern auch in der Lage, komplexere Missionen durchzuführen.

Die ersten Bilder (ohne Ton) der C-130 auf belgischem Boden: Ein Demonstrationsflug über dem Luftwaffenstützpunkt Melsbroek im Jahr 1971, bei dem Politiker und Presse anwesend waren.

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In den folgenden Jahren wurden die belgischen C-130 zu echten Arbeitspferden im Rahmen humanitärer und militärischer Einsätze. Das Flugzeug wurde häufig für humanitäre Versorgungseinsätze eingesetzt, bei denen es auf unvorbereiteten Landebahnen landen und Abwürfe in niedriger Höhe durchführen musste.

Während der Hungersnot in der Sahelzone in den 80er Jahren erlangte unser Land weltweite Bewunderung für das "Very Low Altitude Gravity Extraction System", das von Spezialisten entwickelt wurde, um Nothilfe abzusetzen.

Das Transportflugzeug bildete auch das Rückgrat verschiedener "Non-combatant Evacuation Operations" (NEO-Operationen) zur Evakuierung von Landsleuten, wie kürzlich in der afghanischen Hauptstadt Kabul.

Im Laufe der Jahre gingen zwei Flugzeuge verloren. Die CH-06 stürzte am 15. Juli 1996 auf dem Luftwaffenstützpunkt Eindhoven ab, wobei 34 der 41 Insassen ums Leben kamen. Das Flugzeug stieß bei der Landung mit einem Schwarm Stare zusammen.

Eine zweite C-130, die CH-02, wurde bei einem Brand in einer Lagerhalle  der SABENA im Jahr 2006 irreparabel beschädigt. Das Flugzeug wurde 2007 durch ein Gebrauchtflugzeug der US-Fluggesellschaft Evergreen ersetzt.

Ende 2017 wurde die erste C-130 dauerhaft stillgelegt. Danach wurden die anderen Frachtflugzeuge nach und nach aus dem Verkehr gezogen. Das älteste Frachtflugzeug des Verteidigungsministeriums, die C-130 Hercules (CH-13), hat seine letzte Ruhestätte in einem Luftfahrtmuseum in Bevekom gefunden. Insbesondere auf flämischer Seite gab es anfangs viel Kritik an der Verlegung der C-130 von Melsbroek nach Beauvechain in Wallonisch-Brabant, weil die Maschine immer vom flämischen Melsbroek aus verkehrt hatte.

A400M

Die C-130-Flugzeuge werden durch neue A400M-Flugzeuge ersetzt, von denen das erste am 9. Oktober 2020 in Melsbroek landete. Das Flugzeug ist schneller, größer, hat eine größere Flugreichweite und kann mehr Menschen und Material befördern als die kleinere C-130. Der A400M sollte das Aushängeschild der europäischen Verteidigungsindustrie werden, hatte jedoch während seiner Entwicklung viele Verzögerungen und Probleme und kam deshalb verspätet zum Einsatz.

Sie möchten mehr über den A400M erfahren? Sehen Sie sich diesen Film an:

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Insgesamt wurden im Laufe der Jahre 380.000 Passagiere und mehr als 150.000 Tonnen Fracht in alle Teile der Welt geflogen.  Die Flugzeuge haben insgesamt mehr als 260.000 Flugstunden absolviert, d.h. sie sind etwa 3.900 Mal um die Welt geflogen.

Die allerletzten Flugzeuge sollten heute einen Abschiedsflug über das ganze Land machen, aber diese Pläne wurden wegen des dichten Nebels in extremis geändert. "Wir hatten geplant, uns mit sechs C-130 in niedriger Höhe an verschiedenen Orten zu verabschieden, aber der Nebel hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht", sagte Verteidigungsminister Thomas Deberdt.

"Wir werden nicht mehr gemeinsam fliegen, sondern die Flugzeuge werden getrennt von Melsbroek aus starten und jeweils einen anderen Flugplatz in Belgien anfliegen". Luftfahrtbegeisterte, die einen letzten Blick auf die Flugzeuge werfen möchten, können heute die Militärflughäfen Kleine-Brogel, Chièvres und Florennes sowie die zivilen Flughäfen Ostende, Antwerpen und Lüttich ansteuern.

Nicolas Maeterlinck

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