Femizide: 2021 wurden mindestens 19 Frauen Opfer einer Tötung oder eines Mordes im Familienkreis

In der Nacht zum 16. Dezember wurde in Mouscron in der wallonischen Provinz Hennegau eine 47 Jahre alte Frau und Mutter von 4 Kindern von ihrem Ehemann erstochen. Dies war laut Statistiken der 19. Femizid in Belgien in diesem zu Ende gehenden Jahr. 2020 gab es in unserem Land sogar 25 Femizide. Ob beide Zahlen so stimmen, sei dahingestellt. Möglicherweise gibt es da noch eine gewisse Dunkelziffer.

Femizide geschehen zumeist im familiären Kontext und gehen in den meisten Fällen von Männern aus, die Frauen töten. Doch auch Kinder kann dies treffen. In diesem Jahr sind in Belgien auch mindestens 6 Kinder im familiären Kreis getötet worden, melden unsere frankophonen Kollegen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks RTBF auf ihrer Nachrichtenwebseite.

Bisher wurde die Zahl der (mutmaßlichen) Femizide, also der Tötung von Frauen durch ihren (Ex)Partner in Belgien lediglich von der Initiative „Stop Femizide“ und deren Blog statistisch erfasst. Erst seit kurzem werden die Zahlen und die Fälle auch offiziell statistisch erfasst und dies im Rahmen eines nationalen Plans gegen Frauenmorde. Unter den im Laufe dieses Jahres in Belgien von ihren aktuellen oder ehemaligen Partnern oder Ehemännern getöteten Personen sind Frauen im Alter von zwischen 18 und 89 Jahren.

Ob die recht hohen Zahlen von Femiziden in Belgien im letzten und in diesem Jahr auch mit der Coronakrise und der familiären Enge und Isolation zu tun hat, scheint offensichtlich, wie die Staatssekretärin für die Gleichstellung von Mann und Frau, Sarah Schlitz von den frankophonen Grünen Ecolo, bereits im April dieses Jahres gegenüber RTBF andeutete: „Der Kontext der Pandemie verwundert nicht. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19 sowie der Lockdown und die Schließung der Schulen die Gewalt in den Haushalten stark verschärft hat.“  

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