Gesundheitsminister Vandenbroucke: "Kultursektor Schritt für Schritt wieder öffnen"

Eine rasche Öffnung der Theater, der Konzertsäle und der Kinos, die wegen der aufkommenden Omikron-Coronavariante geschlossen wurden, wird es in Belgien wohl vorerst nicht geben. Doch es wird an einem Stufenplan gearbeitet, der dem Sektor langfristig eine Perspektive bieten soll. Dies ist das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Vertretern des Kultur- und Eventsektors mit Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) am Dienstag. Die Kulturwelt, die seit Tagen gegen die entsprechenden Regierungsbeschlüsse protestiert, reagiert verhalten enttäuscht.

Etwa 30 Vertreter aus dem Kultur- und Veranstaltungssektor hatten an diesem digital geführten Gespräch mit Gesundheitsminister Vandenbroucke teilgenommen. „Ich habe erklärt, warum wir diesen Beschluss gefällt haben. Wir sehen ein, dass dieser Sektor schwer getroffen ist und wir erkennen, dass hier viel geleistet wurde, um Aktivitäten sicher durchführen zu lassen“, so der flämische Sozialist.

„Der Sektor wird aber erst öffnen können, wenn es die epidemiologische Situation zulässt und wenn wir keine neue schwere Überbelastung in den Krankenhäusern erwarten. Wir werden dann so schnell wie möglich dem Konzertierungsausschuss einen Vorschlag machen, um wieder minimale Aktivitäten in diesem Sektor möglich zu machen“, so Vandenbroucke gegenüber VRT NWS.

Der Gesundheitsminister will dem Kultursektor langfristig eine Perspektive bieten und nachsehen, welche Unterstützungsmaßnahmen beschlossen werden müssen: „Ich sitze nächste Woche wieder mit dem Sektor zusammen, um sehr konkret darüber nachzudenken, wie der erste Schritt, der genommen werden kann, aussehen wird. Parallel dazu muss darüber nachgedacht werden, was dass für die Unterstützungsmaßnahmen, die beschlossen werden müssen, bedeutet.“

Enttäuschung und wenig Hoffnung

Der Kultur- und Eventsektor bestätigt, dass ein weiteres Treffen mit Gesundheitsminister Vandenbroucke für den 4. Januar angesetzt wurde, in der Hoffnung, dass der Konzertierungsausschuss aus Bund, Ländern und Regionen in den darauffolgenden Tagen einen neuen Beschluss fällen kann. Doch es klingt auch Enttäuschung aus den Reaktionen nach dem Gespräch mit dem Minister, denn zu einer raschen Wiedereröffnung wird es nicht kommen.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung heißt es denn auch dazu: „Es war ein gutes Gespräch, bei dem wir mit beiden Sektoren als eine gemeinsame Front nach vorne kommen konnten. Nach Sonntag (als zahllose Vertreter beider Sektoren in Brüssel gegen die Schließung protestierten (Red.)) war jeder froh darüber, sagen zu können, dass die Beschlüsse des Konzertierungsausschusses alle Proportionen sprengen würden. Wir erwarten jetzt, dass dies auch wahr gemacht werden kann.“

"Unsere Kassen sind leer"

„Es ist wichtig, dass ein Gespräch gestartet ist“, so Koen Naert vom Konzertsaal Het Depot in Löwen, der die Livemusik vertrat, gegenüber VRT NWS. Eine kleine Öffnung ist für den Sektor unbefriedigend: „Wir brauchen eine Perspektive im Hinblick einer vollständigen Öffnung. Darüber werden wir nächste Woche weiter sprechen. Mit eingeschränkten Kapazitäten ist es für die meisten Organisationen nicht möglich, finanziell rundzukommen. Unsere Kassen sind leer. Der Sektor ist ratlos und mutlos. Wenn wir nicht öffnen können, dann muss ein umfassendes Paket an Unterstützungsmaßnahmen kommen.“

Die aktuellen Corona-Maßnahmen, die die vollständige Schließung des Kultur- und Eventsektors mit sich ziehen, dauern noch bis einschließlich dem 28. Januar. Wann sich der Konzertierungsausschuss in Sachen Coronakrise wieder treffen wird, ist unklar, doch es könnte bereits in der ersten Januarwoche zu weiteren Beratungen kommen - je nachdem, wie sich die Pandemie mit der neuen Omikron-Variante entwickeln wird.

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