Geoffroy LIBERT 2018

Brüsseler Umweltzone: Seit dem Jahreswechsel sind Euro 4-Dieselfahrzeuge nicht mehr zugelassen

Seit dem 1. Januar 2022 sind Dieselfahrzeuge mit der Euronorm 4 nicht mehr in der Brüsseler Umweltzone zugelassen. Bis zum 31. März gilt noch eine Übergangszeit, doch wer ab dann noch gegen diese Regelung verstößt, riskiert ein Bußgeld von 350 €. Dies ist bislang die strengste Maßnahme in der schrittweisen Durchsetzung der Umweltzone in der belgischen und europäischen Hauptstadt seit Januar 2018. Rund 12 % aller Fahrzeuge, die sich in der Brüsseler Hauptstadt-Region bewegen, sind noch stets Euro 4-Autos.

Aktuell sind in ganz Belgien noch etwa 76.500 Fahrzeuge mit einem Euro 4-Dieselmotos angemeldet. Das sind zumeist Autos oder Lieferwagen, die über 11 Jahre alt sind. Rund 25.000 solcher Fahrzeuge sind alleine in der Brüsseler Region registriert. Das sind Autos, die noch über keinen Rußfilter verfügen und die deshalb sehr viel Feinstaub und andere Schadstoffe ausstoßen.

Ähnlich wie bei den vorangegangenen Verschärfungen der Brüsseler Umweltzonenvorschriften gilt auch hier eine Übergangszeit von 3 Monaten. Das bedeutet, dass ab dem 1. April 2022 Bußgelder ausgestellt werden, wenn Fahrzeughalter der Vorschrift nicht entsprechen bzw. dagegen verstoßen. Dann werden 350 € fällig.

Viele Autohalter in der Brüsseler Region haben in Anbetracht des Verbots von Euro 4-Fahrzeugen bereits im Vorfeld reagiert und ihr altes Fahrzeug abgeschafft oder abgemeldet. Zwischen Mai und November 2021 sank die Zahl dieser Dieselfahrzeuge ohne Rußfilter hier von rund 95.000 auf 76.500 Fahrzeuge, wie die Brüsseler Verkehrsbehörden melden.

Rücksicht auf die Fahrzeughalter

Der belgische Automobilclub Touring, der die Interessen der Autofahrer vertritt, bittet die Brüsseler Regionalregierung darum, nicht zu streng zu sein, denn viele Fahrzeughalter, die noch mit einem Euro 4-Diesel unterwegs sind, gehören zu den finanzschwächeren Bevölkerungsgruppen, die sich nicht so einfach ein den neuen Vorschriften entsprechendes Fahrzeug leisten können.

Und ältere günstigere Fahrzeuge auf dem Gebrauchtmarkt werden im Zuge der nächsten Verschärfungen ebenfalls wieder aus der Umweltzone verbannt.

Touring plädiert für eine Übergangszeit bis 2023 und für finanzielle Hilfe bei der Anschaffung von neueren Fahrzeugen. Dabei hilft aber bald die sogenannte „Brüssel’Air“-Prämie, die vergeben wird, wenn jemand in der Region ein schadstoffausstoßendes Fahrzeug abmeldet. Doch auf dieses Verfahren muss noch gewartet werden, denn das Brüsseler Umweltamt hat noch nicht alle entsprechenden Schritte abschließend formuliert. 

Weitere Stufen

In den kommenden Jahren werden die Vorschriften in der Umweltzone in Brüssel stufenweise weiter verschärft: 2025 folgen die Dieselfahrzeuge der Euronorm 5 und ab 2030 soll die Hauptstadt-Region weitgehend dieselfrei werden. Ab 2035 sollen Fahrzeuge aus der Region verbannt werden, die mit einem zwischen Benzin und LPG-Autogas umschaltbaren Motor angetrieben werden.

Mit all diesen Maßnahmen will Brüssel zum einen für eine bessere Luftqualität sorgen und zum anderen soll dies dabei helfen, die belgischen und europäischen Klimaziele bis hin zur Kohlenstoffneutralität bis 2050 zu erreichen. 

Rund 12 % aller Fahrzeuge, die in Brüssel unterwegs sind, entsprechen noch der Diesel-Euronorm 4
foto Peter Hilz (C)

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