Deutschland bedauert längere Laufzeit der Kernkraftwerke Doel 4 und Tihange 3

Die deutsche Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Die Grünen, Foto) bedauert die Entscheidung der belgischen Bundesregierung, die Atomreaktoren Doel 4 und Tihange 3 zehn Jahre länger – bis 2035, statt wie ursprünglich geplant bis 2025 - zu betreiben. Für Deutschland selbst gehöre die Atomenergie nach wie vor der Vergangenheit an, sagte sie der deutschen Nachrichtenagentur DPA.

Die belgische Regierung hat am Freitag beschlossen, die Laufzeit der beiden Reaktoren Doel 4 und Tihange 3 um zehn Jahre zu verlängern. Lemke geht davon aus, dass Belgien bald mit der grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung beginnen wird. Die Sorgen der Bevölkerung in und um Aachen - rund 80 Kilometer von Tihange entfernt - müssten ernst genommen werden, mahnt sie.

Deutschland selbst macht keinen Rückzieher beim Ausstieg aus der Kernenergie, der nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima beschlossen wurde. Steigende Energiepreise und der Krieg in der Ukraine haben auch die Regierung in Berlin in den letzten Wochen gezwungen, die Argumente für und gegen die Atomkraft abzuwägen, aber das Ergebnis war eindeutig, so Lemke. "Ein kleiner Beitrag zur Energieversorgung wäre mit großen wirtschaftlichen, rechtlichen und sicherheitstechnischen Risiken verbunden. Das wäre unklug und nicht zu rechtfertigen".

"Gerade in Krisenzeiten wie diesen halte ich eine Laufzeitverlängerung mit dem Argument der Versorgungssicherheit für nicht vertretbar. Das könnte uns sogar noch verwundbarer machen", so Lemke. Sie betonte, die weltweite Besorgnis über die Sicherheit der Atomkraftwerke in der Ukraine zeige auf dramatische Weise, welchen Schaden diese anrichten könnten. "Wir sind in einer Situation, in der wir unsere Energieversorgung sehr schnell krisenfest machen müssen. Wir müssen das tun, indem wir unsere Abhängigkeit von erneuerbaren Energien erhöhen."

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