Sammy Mahdi

CD&V in der Krise: Sammy Mahdi kandidiert für den Parteivorsitz

Nach der Ankündigung von CD&V-Parteichef Joachim Coens, vorgezogene Wahlen zum Vorsitz anzuberaumen, gab Belgiens Staatssekretär für Asyl und Einwanderung, Sammy Mahdi (Foto), bekannt, kandidieren zu wollen. Coens zieht die Konsequenz aus dem Desaster der letzten Sonntagsfrage, bei der die flämischen Christdemokraten die Hälfte ihrer Wähler verlor und damit Flanders kleinste Partei würde, wenn gewählt würde.

Sammy Mahdi ist dazu bereit, die CD&V als Vorsitzender in eine neue Zukunft zu führen. Aus der aktuellen Meinungsumfrage in Flandern von VRT NWS und der Tageszeitung De Standard ist ersichtlich, dass die flämischen Christdemokraten, wenn heute gewählt würde, 6,7 % der Wählerstimmen verlieren würde, die sie bei den letzten Wahlen zum flämischen Landesparlament noch hatte (siehe nebenstehenden Beitrag). 

Die CD&V steht in der Umfrage auf dem letzten Platz im Parteienranking mit nur noch 8,7 %. Daraus zog der Noch-Vorsitzende Joachim Coens die Konsequenz und kündigte neue Vorstandswahlen an, bei denen er nicht mehr kandidieren wolle (siehe nebenstehenden Beitrag).

Asyl-Staatssekretär Sammy Mahdi, der bei den letzten Wahlen zum Parteivorsitz noch knapp an Coens gescheitert war, kandidiert jetzt wieder für diesen Posten. 

Auf das schlechte Umfrageergebnis reagierte Mahdi folgendermaßen: „Wenn man sich die Tendenz der letzten Jahre ansieht, dann überrascht das nicht. Aber man ist schon erschrocken, wenn man unter 10 % sackt. Wir dürfen aber nicht auf Basis einer Umfrage die Philosophie verändern. Wir dürfen nicht defaitistisch sein.“

Gemeinschaftspartei in Flandern

Mahdi ist der Ansicht, dass man bei Koalitionsverhandlungen mehr Stärke zeigen soll, auch wenn man in einer Regierung mit anderen Parteien zusammenarbeiten müsse. Dann müsse man eben Wasser in den Wein gießen, „doch dabei ist nicht das Ziel, den Gartenschlauch rauszuholen. Man muss wissen, was die Prinzipien sind und deutlich dazu stehen. Wir müssen wieder die Gemeinschaftspartei in Flandern sein. Ich stehe zur Verfügung und will alles daran setzen, die Partei zurück nach oben zu bringen. Wir müssen nach vorne gehen und bessere Ergebnisse erzielen als heute. Das ist wohl klar.“

Mahdi will aber auch die Beziehungen zum Mittelfeld, zur früheren „christlichen Säule“ mit christlicher Krankenkasse, christlicher Gewerkschaft und dergleichen mehr analysieren: „Man muss dem Mittelfeld zuhören und hören, was dort lebt. Doch man darf nicht zu deren Sprachrohr werden. Wir müssen uns gegenseitig besser respektieren, statt frustriert zu sein. Dabei müssen wir uns die Frage stellen, warum sie uns nicht mehr wählen und wir müssen uns fragen, warum wir nicht machen, was sie fordern.“ 

Weitere Kandidaten? Mahdis Nachfolger als Staatssekretär?

Ob weitere Kandidaten für den CD&V-Parteivorsitz in den Ring gehen, ist noch nicht deutlich. Bisher genießt die Kandidatur von Sammy Mahdi sehr viel Zustimmung und Respekt. Joachim Coens jedenfalls zeigte sich erfreut darüber, dass sich Mahdi direkt gemeldet hatte. Auch von der Basis her kommt Zustimmung, z.B. von Seiten von CD&V-Bürgermeistern aus Städten und Gemeinden. Dessen Kandidatur wird auch von Bundesfinanzminister Vincent Van Peteghem und von Ex-Minister Koen Geens begrüßt. Jef Vandenberghe, Abgeordneter im flämischen Landesparlament, sagte dazu, dass Sammy Mahdi das richtige Profil für den Vorsitz in diesen schwierigen Zeiten für die Partei habe.

Eine mögliche Kandidatin für die Nachfolge im Amt des Staatssekretärs für Asyl und Einwanderung in der belgischen Bundesregierung könnte Nathalie Muylle (Foto unten) sein. Sie hatte sich beweisen können, als Parteikollege Wouter Beke von der letzten Bundesregierung in die flämische Landesregierung wechselte, wo er das Amt des Gesundheitsministers übernahm. Damals hatte Muylle als Bundesministerin für Arbeit, Wirtschaft und Verbraucherschutz „Freund und Feind“ mit einer sehr guten Arbeit überrascht. Mit Erstaunen wurde danach festgestellt, dass sie in der aktuellen Koalition kein neues Ministeramt bekam. 

Nathalie Muylle

Meist gelesen auf VRT Nachrichten