Umfrage: Wie gehen die Flamen mit dem Thema Einwanderung um?

Drei Viertel der Flamen sind der Ansicht, dass nicht-westliche Einwanderer unsere Kultur und unsere Gewohnheiten annehmen müssen. In Flandern Niederländisch zu sprechen, wird als essentiell angesehen. Jeder 7. Flame ist aber auch der Ansicht, dass Diskriminierung von Einwanderern auf dem Arbeitsmarkt kontrolliert werden müsse. Dies ist aus der allgemeinen Umfrage „De Stemming“ von VRT NWS und der Tageszeitung De Standaard zum Thema Einwanderung ersichtlich. 

„De Stemming“ ist eine von VRT NWS und De Standaard in Auftrag gegebene Umfrage, die von den Universitäten Brüssel und Antwerpen unter der Leitung von Stefaan Walgrave (UA) und Jonas Lefevere (VUB) online unter 2.064 Flamen durchgeführt wurde. Die Befragung fand zwischen dem 14. und 31. März statt, als die russische Invasion in der Ukraine noch im Anfangsstadium war.

Kulturelle Assimilierung

Aus dieser Umfrage ist ersichtlich, dass 76 % der befragten Flamen deutlich hinter der flämischen „Assimilierungspolitik“ stehen, bei der sich nicht-westliche Neu-Bürger integrieren und anpassen sollen. Rund drei Viertel der Befragten gibt an, dass die neuen Einwanderer maximal unsere Gewohnheiten und unsere Kultur annehmen sollen. Vor allem die Wähler der rechten Parteien vertreten diese Ansicht, während Liberale, Linksextreme oder Grüne dies nicht ganz so eng sehen.

Für fast alle ist es aber essentiell, dass man, wenn man wirklich Flame bzw. Belgier werden will, dann auch die Sprache der jeweiligen Region in unserem Land sprechen müsse. Das ist in Flandern mit Niederländisch der Fall. Bei den Wählern des rechtsradikalen Vlaams Belang kann man nur Flame sein, „wenn man hier geboren ist.“ Im eher linken politischen Spektrum sind Sozialisten und Kommunisten in dieser Frage etwas strikter als Grünwähler.

Mehrheit für Praxistests gegen Diskriminierung am Arbeitsmarkt

68 % der befragten Flamen ist der Ansicht, dass die Behörden vor Ort Praxistests durchführen sollen, um Diskriminierung von Einwanderern am Arbeitsmarkt entgegenzuwirken. Dieses Thema ist vor allem auf der linken Seite des politischen Wählerspektrums wichtig. Doch auch auf der rechten Seite wird dies für eine gute Idee gehalten. 58 % der Wähler der nationaldemokratischen N-VA und 56 % der Vlaams Belang-Wähler sind für solche Kontrollen.

Inzwischen hat die Erste Kammer im belgischen Bundesparlament einem Vorschlag von Bundesarbeitsminister Pierre-Yves Dermangne (PS) angenommen, mit dem eben eine solche Diskriminierung bei der Anwerbung von neuen Personal entgegengewirkt werden soll. Im belgischen Bundesland Flandern setzt Landesarbeitsministerin Hilde Crevits (CD&V) eher auf Sensibilisierung, und sie gewährt 32 Sektoren Zuschüsse, um selbst dagegen vorzugehen.

Strengere Einwanderungspolitik?

Trotzdem sind die Flamen beim Thema Einwanderung weiter zurückhaltend. Nur rund 30 % der Befragten ist der Ansicht, dass hier mehr Flüchtlinge aufgenommen werden müssen. Nur bei den Grünwählern liegt in dieser Frage ein höherer Prozentsatz von Fürsprechern für mehr Einwanderung vor, nämlich bei 56 % der Befragten.

Die meisten Teilnehmer bei „De Stemming“ sind denn auch der Ansicht, dass die Einwanderungsauflagen und -regelungen durchaus strenger sein könnten. Auf einer Skala von 0 (weniger streng) bis 10 (sehr streng) liegt der Durchschnitt bei 6,8. Über 5 liegt er bei Vlaams Belang-Wählern (8,5), bei N-VA-Wählern (7,4) und bei Wählern der sozialistischen Partei Vooruit (6,2). Nur bei den Grünwählern ist man eher der Ansicht, dass die heutige Migrationspolitik in Belgien ausreicht. 

Das "Belgien-Gefühl" nimmt ab

„De Stemming“ wollte auch wissen, wie sehr sich die Flamen heute noch als Belgier fühlen und ob es im belgischen Bundesland Flandern noch eine „nationale Identität“ gibt. 44 % der Befragten findet, dass sie sich ebenso als Flame, wie als Belgier fühlen. Das ist deutlich mehr als bei einer ähnlichen Umfrage in 2007.

7 % der befragten Flamen geben an, sich belgisch und nicht flämisch zu fühlen. 2007 lag dieser Wert noch bei 14 %. Auch die Gruppe, die sich eher belgisch als flämisch fühlt, wird kleiner und geht von 17 % in 2007 auf heute 12 % zurück. Aber, nur 10 % der befragten Flamen gibt an, Flame zu sein und kein Belgier. 2007 lag dieser Wert aber noch bei „nur“ 7 %. 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten