10 Monate nach der Flutkatastrophe: Freiwillige Helfer aus Flandern organisieren an der Weser eine Menschenkette

Am kommenden Sonntag, den 15. Mai, wollen ehrenamtliche Helfer aus Flandern gemeinsam mit wallonischen Freunden eine Menschenkette entlang der Weser bilden. Damit wollen sie den Opfern der Überschwemmungskatastrophe von Mitte Juli ihre Solidarität bezeugen. Dies ist aber auch eine Protestaktion, denn 10 Monate nach der Unwetterkatastrophe müssen noch immer hunderte Familien unter unmöglichen Umständen leben.

Mitte Juli 2021 sorgte ein anhaltender schwerer Regen für eine nie dagewesene Überschwemmungs- und Hochwasserkatastrophe in den Provinzen Lüttich und Limburg. Vor allem im Wesertal richteten die Wassermassen schwerste Schäden an. Seit dem helfen zahllose ehrenamtliche Helfer aus allen Landesteilen in Belgien den Opfern, von denen auch 10 Monate danach noch Hunderte improvisiert leben müssen, weil ihre Häuser und Wohnungen entweder unbewohnbar sind oder weil die Arbeiten zur Renovierung entweder nicht abgeschlossen sind oder noch gar nicht erst begonnen haben.

Diet Uytterhoeven aus Herent in Flämisch-Brabant ergriff jetzt die Initiative, etwas zu unternehmen, nach dem sie dort eine Frau kennengelernt hatte, die schwer von der Katastrophe betroffen ist: „Bei ihr stand das Wasser bis zur ersten Etage. Sie bat mich im Dezember einmal, mit ihr zur Weser zu gehen, was sie bis dahin vermieden hatte. Sie war 5 Monate lang nicht mehr am Fluss gewesen. Ich bin dann mit ihr an der Weser gewesen. Die Art und Weise, wie sie reagierte, wie sie ihren Frust herausbekam, hat mich tief betroffen gemacht. Damals dachte ich schon, dass ich damit etwas machen muss.“

Die Weser, so Diet Uytterhoeven, sei am 14. Juli ein Monster gewesen, „doch sie ist auch ein schönes Stück Natur.“ Doch das auch 10 Monate danach noch immer Menschen unter unmöglichen Umständen ihr Dasein fristen müssen, ließ sie nicht in Ruhe: „Bis zum heutigen Tag sind hier noch immer Leute, die keine warmen Mahlzeiten essen oder eine Heizung haben. Die meisten von ihnen fragen sich, wann sie wieder ein menschenwürdiges Leben führen können. Und viele sind darunter, die ihren Mut verloren haben. Nur noch die Freiwilligen geben ihnen noch ein bisschen Hoffnung.“

Menschenkette

Am Sonntag werden viele dieser Freiwilligen eine Menschenkette zwischen Verviers und Chênée bei Lüttich bilden. Dieser „Fluss aus Menschen“ soll 30 Kilometer lang werden und dazu brauchen die Organisatoren rund 19.000 Teilnehmer. Sie sollen alle ein Bändchen mit selbstgemachten Fähnchen tragen. Diet geht davon aus, dass diese Menschenkette aus Opfern und Anwohnern der betroffenen Gebiete und Ortschaften im Wesertal und aus den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern gebildet werden kann, „doch zwischen Pepinster und Goffontaine fließt die Weser durch prächtige Natur, aber dort wohnt keiner. Dafür suchen wir noch Leute…“ Wer beim „Fluss aus Menschen“ mitmachen will, der kann sich über die Webseite „Herent Hilft“ anmelden. 

Pepinster
James Arthur Photography
Trooz
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