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Gent prüft eine "Ehrenrettung" für Frauen, die im 16. und 17. Jahrhundert als Hexen zum Tode verurteilt wurden

Die Stadt Gent möchte prüfen, ob es möglich ist, eine „Ehrenrettung“ für jene Frauen zu gestalten, die im 16. und 17. Jahrhundert als Hexen verbrannt wurden. „Wir untersuchen, wie wir den Opfern der unmenschlichen Hexenverfolgung gedenken können“, sagt Sami Souguir (Open VLD), Schöffe für Kultur, Stadtentwicklung und öffentliche Arbeiten in Gent.

Zwischen Ende des 16. Jahrhunderts und Anfang des 17. Jahrhunderts sind in Gent rund 200 Frauen, die als Hexen verschrien waren, auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden und etwa 20 weitere Frauen kamen durch Folterung oder anderen schweren Verletzungen ums Leben.

Um diesen Frauen zu gedenken und um auf deren Schicksal aufmerksam zu machen, plant die Stadt Gent heute eine Art „Ehrenrettung“ für diese Frauen. „Es ist eine bescheidene Handlung, ein Zeichen von historischer Schuldeingeständnis“, so Kulturschöffe Souguir gegenüber VRT NWS.

Damit entspricht Gent einem Vorschlag von Ratsmitglied Anne Schiettekatte (Vooruit), die sich mit dem Schicksal dieser Frauen beschäftigt hat: „Die Frauen wurden eingesperrt, lebend verbrannt oder erwürgt. Man warf ihnen vor, Sex mit dem Teufel gehabt zu haben, nackt getanzt zu haben und Zauberkräfte zu haben. Das war natürlich nicht wahr. Das waren reine Hassverbrechen. Diese Frauen verdienen es, dass ihre Ehre wieder hergestellt wird.“

Die Stadtverwaltung lässt das Amt für historische Häuser jetzt prüfen, wie man dem Schicksal dieser Frauen heute gerecht werden könnte. Dabei denkt man in erster Linie an den Sint-Veerplein vor dem Gravensteen (Foto unten), denn dort wurden die meisten Todesurteile vollstreckt: „Wir denken an einen Gedenkstein auf diesem Platz, doch vielleicht gibt es noch bessere Lösungen.“

Gent folgt damit dem Beispiel von Nieuwpoort an der Küste und der Pallieter-Stadt Lier in der Provinz Antwerpen, wo es in der Vergangenheit zu solchen Initiativen gekommen war. Auch im Ausland, z.B. in Deutschland wird verschiedener Orts den Opfern der Hexenverfolgung im Mittelalter mit Mahnmahlen oder ähnlichen Initiativen gedacht. 

Nicolas Maeterlinck

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