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Kolonialgeschichte: Symbolische Übergabe des Zahns von Patrice Lumumba an dessen Nachkommen

Im Egmont-Palast in Brüssel hat die belgische Justiz am Montag ein Zahn, von dem vermutet wird, dass er dem 1961 ermordeten ersten freigewählten Präsidenten der ehemaligen Kolonie Kongo Patrice Lumumba gehörte, an dessen Familie und Nachkommen übergeben. Dieser Zahn befand sich lange im Besitz eines ehemaligen belgischen Gendarmen und kam im Zuge von Ermittlungen zu diesem Mord in die Hände der Justiz. 

Patrice Lumumba war der erste Präsident Kongos, nach dem die belgische Kolonie 1960 unabhängig wurde. Doch nach nur zweieinhalb Monaten wurde er von Joseph Kasavubu abgesetzt. Am 17. Januar 1961 wurde Patrice Lumumba unter dubiosen und dunklen Umständen ermordet. Seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

Einer der mutmaßlichen damaligen Mittäter gab seinerzeit an, Lumumbas sterbliche Überreste seien 1961 in Schwefelsäure aufgelöst worden. Übrig geblieben ist nur ein Zahn, der als „Trophäe“ im Besitz eines damals Beteiligten geblieben ist. Ob dies tatsächlich ein Zahl Lumumbas ist, sei dahingestellt, doch für die Familie des damals Ermordeten hat dieser Gegenstand eine enorme symbolische Bedeutung.

2001 wies ein parlamentarischer Ausschuss in Belgien auf die „moralische Verantwortung“ unseres Landes hin. Daraufhin entschuldigte sich die damalige belgische Regierung im Namen des Staates und des Volkes bei Lumumbas Angehörigen und bei der Demokratischen Republik Kongo.

2011 kam es im Rahmen der Ermittlungen zur Ermordung Lumumbas zur Beschlagnahmung des Zahns bei den früheren belgischen Gendarmen Gerard Soete, der damals "dabei war". 

Lumumba war kaum drei Monate an der Macht, als er unter dubiosen Umständen (unter Beteiligung Belgiens und der CIA?) ermordet wurde. Seine Rolle als erster freigewählter Präsident im Kongo und dessen Tod sorgten dafür, dass er zum Symbol für den Freiheits- und Unabhängigkeitskampf wurde und dies weit über die frühere belgische Kolonie Kongo hinaus. 

Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) gab im Rahmen der Zeremonie zur Übergabe der sterblichen Überreste von Patrice Lumumba an dessen Kinder zu verstehen, dass einige damalige belgische Minister seinerzeit „eine moralische Verantwortlichkeit getragen haben“ und bot seine Entschuldigung an: „Es ist eine schmerzvolle und unangenehme Wahrheit, doch sie muss gesagt werden.“

De Croo ergänzte weiter: „Die belgischen Minister, Diplomaten, Beamten oder Militärs hatten vielleicht nicht die Intention, Patrice Lumumba ermorden zu lassen. Dafür gibt es keinen Beweis. Doch sie hätten wissen müssen, das seine Überstellung an Katanga sein Leben in Gefahr bringen würde. Sie hätten warnen müssen, sie hätten dabei jede Hilfe verweigern müssen, als Lumumba dorthin gebracht wurde, wo er ermordet wurde. Sie haben sich dafür entschieden, dass nicht zu erkennen. Sie haben sich dafür entschieden, nicht dagegen vorzugehen.“  

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