Drogenkrieg in Molenbeek? 12 Schießereien in nur 10 Monaten (Archivfoto)
Nicolas Maeterlinck

Brüsseler Gemeinde Molenbeek: 12 Schießereien seit September 2021

Die Brüsseler Gemeinde Sint-Jans-Molenbeek wird seit etwa September 2021 regelmäßig von Schießereien aufgeschreckt, die nach Ansicht der Polizei immer mit Gewalt in der Drogenszene zu tun haben. Erst am Montag wurde wieder ein junger Mann niedergeschossen. 

Seit September 2021 wurden in Molenbeek 12 Schießereien registriert, die auf die Drogenkriminalität zurückzuführen sind. Inzwischen fragen sich die Einwohner dieser Brüsseler Gemeinde, wann zum ersten Mal ein Unbeteiligter oder ein einfacher Bürger des Stadtteils angeschossen oder gar erschossen wird.

Molenbeeks Bürgermeisterin Carine Moureaux (PS) und die Polizei seien tagein, tagaus mit diesem Problem beschäftigt, doch die Polizei in Molenbeek sei chronisch unterbesetzt, heißt es dazu. Molenbeek gehört zur Brüsseler Polizeizone West und diese verfügt über 1.050 Polizeibeamte. Nach einer Studie der Universität Löwen (KU Leuven) müsste die Polizeizone Brüssel West angepasst an die Bevölkerungszahl 1.250 Polizisten haben.

Kaum Reaktion der Innenministerin?

Die Kommunalverwaltung und der Gemeinderat von Molenbeek haben wiederholt Bundesinnenministerin Annelies Verlinden (CD&V) auf die Probleme hingewiesen, bekommen aber nach eigenen Angaben nur ausweichende Antworten und werden von der Ministerin diesbezüglich nicht empfangen, wie die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ dazu meldet. Verlinden ließ nur wissen, „dass die lokale Polizei die nötige Kapazität vorsehen muss.“

In der lokalen Drogenszene gehe es mittlerweile um viel Geld und dies ließe die entsprechende Gewalt größer werden, so Rachid Barghouti, der Sprecher der Bürgermeisterin von Molenbeek gegenüber BRUZZ: „Mit kleinen Dealern können wir umgehen, doch dies geht viel weiter. Früher ging es hierbei um ein paar Millionen, doch jetzt geht es um dutzende Millionen Euro. (…) Die Opfer dieser Schießereien haben immer mit der Drogenszene zu tun.“ 

"Molenbeek ist ein Opfer von Antwerpen. Dort geht die Aufmerksamkeit hin!"

Der frühere Vorsitzende der Brüsseler linksliberalen Partei Défi, Olivier Maingain, und Georges Louis Bouchez, der Parteichef der frankophonen Liberalen MR, sind der Ansicht, dass die Gewalt in Molenbeek zunehme, weil die Aufmerksamkeit der Polizei ihren Fokus auf Antwerpen und seinen Drogenkrieg gelegt werde. „In Antwerpen wird reagiert, in Molenbeek muss man sich beugen“, so Bouchez am Dienstag.

Schuld daran habe die vorherige Regierung unter Premier Charles Michel (MR) und der damalige Bundesinnenminister Jan Jambon (N-VA), so Maingain: „Die Entscheidung, die Kriminalpolizei in Brüssel zu schwächen und die in Antwerpen zu verstärken liegt an der Basis der großen Drogenkriminalität in Molenbeek.“ 

Molenbeek gehört zur Polizeizone Brüssel West, doch diese leidet unter chronischer Unterbesetzung
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