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Abschaltplan: Wie sich Belgien auf einen möglichen Gasmangel vorbereitet

Die belgische Bundesregierung arbeitet derzeit am Finetuning für einen Abschaltplan für Gas, falls der Konflikt mit Russland zu einer effektiven Knappheit führen sollte. Auf Anfrage von Bundesenergieministerin Tinne Van der Straeten von den flämischen Grünen (Groen) wurde rund 1.000 industriellen Großverbrauchern im Land eine Umfrage zugeschickt mit dem Ziel, herauszufinden, wo deren Möglichkeiten bzw. Probleme liegen, falls es zu Abschaltungen der Gaszufuhr kommt. Das Letzte, was die Regierung will, ist den privaten Haushalten im Land den Gashahn zudrehen.

Tatsächlich gibt es für Gas, genauso, wie für Strom, einen Abschaltplan der Regierung, falls es aus welchem Grunde auch immer, zu Problemen mit der Energiezufuhr geben sollte. Jetzt, wo der russische Angriffskrieg in der Ukraine zu Boykotts gegen Russland auch als Energielieferant führt, will man den Abschaltplan für Gas konkretisieren und dabei möchte die Regierung individuell vorgehen.

Deshalb kommen den industriellen Großverbrauchern Umfragen zu, damit diese vorlegen, wie und ob man die Gaszufuhr hier stoppen kann. Fragen, wie nach der Möglichkeit, „auf Sparflamme“ arbeiten zu können oder ob ein Unternehmen seine Aktivitäten befristet aussetzen kann, müssen hier beantwortet werden. Darin mit einbezogen wird Febeliec, der Verband der industriellen Energie-Großverbraucher. Peter Claes von Febeliec sagte dazu gegenüber VRT NWS: „Wir haben angegeben, dass es Möglichkeiten gibt, den vorliegenden Abschaltplan zu verbessern.“ 

Nicht von Russland abhängig?

Die Möglichkeit, dass der Gas-Abschaltplan wirklich einmal zum Tragen kommt, erachtet Claes aber als sehr gering: „Erst einmal verfügen wir hier in Belgien über eine ausreichende Bevorratung und wir haben eine sehr diverses Netz für Gaslieferungen. Es kommt Gas aus Norwegen, aus England und aus Katar mit Schiffen und über Dünkirchen. Belgien ist aktuell nur zu etwa 4 % von Gaslieferungen aus Russland abhängig.“

Aber, Belgien ist ein EU-Mitgliedsland und deshalb auch Teil des europäischen Solidaritätsmechanismus. Das bedeutet, dass unser Land im Falle eines Falles auch Gas an andere EU-Staaten liefern kann und muss, doch, so Claes, ist das auch nicht wirklich dramatisch, denn „die Länder müssen zuerst ihren eigenen Notfallplan aktivieren und ihre eigenen Abschaltpläne umsetzen.“

Muss abgeschaltet werden, dann liegt der Ball bei der Industrie

Würde es trotzdem zum Notfall kommen, dann schauen die belgischen Behörden zuerst in Richtung Industrie, so Febeliec-Mitarbeiter Claes: „Einige Sektoren werden geschützt, z.B. die Elektrizitätskraftwerke, die mit Gas betrieben werden und die für die Aufrechterhaltung der Stromversorgung notwendig sind. Das Abschalten der Gaszufuhr für die Familien will man immer vermeiden. Das ist in Europa so abgesprochen.“

„Hope for the best, prepare for the worst”, sagt Peter Claes zum Gas-Abschaltplan: “Ich glaube, dass zum jetzigen Augenblick nur wenig Grund zur Sorge besteht, doch das bedeutet nicht, dass man unvorsichtig und unvorbereitet sein soll.“ Vorausschauend vorgehen, ist das Beste, das man in einer solchen geopolitischen Weltlage machen kann. 

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