25-jähriger Brüsseler gewinnt Europäischen Erfinderpreis mit Roboterarm für Abfallrecycling

Der belgische Ingenieur Victor Dewulf hat den Europäischen Preis für junge Erfinder gewonnen. Zusammen mit seinem britischen Partner Peter Hedley (27) hat er einen Roboterarm entwickelt, der mit Hilfe künstlicher Intelligenz Abfälle automatisch erkennt und sortiert. Die Erfindung kann die Müllverwertung nachhaltiger machen. Das System wurde bereits großen Unternehmen in Frankreich und England eingekauft. 

Mit einem 40-Euro-Förderband und dem Hausmüll der Nachbarn machte sich Victor Dewulf vor drei Jahren im Garten seiner Eltern auf die Suche nach effizienteren und nachhaltigeren Lösungen für das Abfallrecycling. 

Am Mittwoch haben der aus der Brüsseler Gemeinde Etterbeek stammende Dewulf und sein britischer Partner Peter Hedley (27) den ersten “Young Inventors Prize” gewonnen. Gemeinsam haben sie ein optisches System zur Abfallerkennung mit einem Robotersortierarm entwickelt.

Was ist der Preis für junge Erfinder?

Mit dem Young Inventors Prize will das Europäische Patentamt (EPA) vielversprechende Erfinder unter 30 Jahren auszeichnen. In dieser Woche gab das EPA, das über Patentanmeldungen entscheidet, die Gewinner der ersten Ausgabe bekannt. Die Gewinner erhalten einen Geldpreis von 20.000 Euro.

Die Idee für die Erfindung entstand 2018, als Victor Dewulf im Rahmen seines Studiengangs Umwelttechnik am Imperial College London ein Recyclingunternehmen besuchte. Dewulf, der in Etterbeek aufgewachsen ist, aber seit geraumer Zeit im Vereinigten Königreich lebt und studiert, ist beeindruckt von der Arbeitsintensität der Müllsortierung. Zusammen mit seinem Freund und Kommilitonen Peter Hedley beschließt er, eine Diplomarbeit über die Automatisierung der Mülltrennung zu schreiben. Fazit: Computer sollten das Verfahren effizienter machen. 

Von der Garage zum Start-up

2019 darf Dewulf im Garten seiner Eltern ein Förderband aufstellen, dass er für 40 Euro bei eBay gekauft hat. Zusammen mit seinen Neffen sammelt er Haushaltsabfälle und scannt sie auf dem Förderband. 

Mit diesen Scans setzt sich Dewulf mit seinem Ex-Kommilitonen Perter Hedley zusammen, ebenfalls Computertechniker. Die beiden entwickeln zwei Systeme: einen Algorithmus, der mit Hilfe von künstlicher Intelligenz zwischen Abfällen unterscheiden kann, und einen Roboterarm, der die Abfälle mit hoher Geschwindigkeit in sechs verschiedene Kategorien sortiert.

Dewulf und Hedley haben das Start-up Recycleye gegründet und werden bis 2020 etwas mehr als eine Million Euro aufbringen. Gemeinsam mit u. a. Microsoft und dem Computerhardware-Entwickler Nvidia arbeiten sie an der Entwicklung ihres Robotersortierarms. Das System wird bis Ende des Jahres betriebsbereit sein. 

Wachstum in Windeseile

Heute geht es Recycleye sehr gut. Kaum drei Jahre nach der Gründung gibt es Kooperationen in Frankreich, England und Italien, unter anderem mit Abfallriesen wie Re-Gen, Biffa und Veolia. Siebzehn KI-Systeme wurden bereits entwickelt und fünf Roboterarme sind heute einsatzbereit. 

Dewulf und Hedley haben sich zum Ziel gesetzt, mit ihrer Erfindung die Kosten für das Recycling zu senken. Jedes Jahr erzeugt die Menschheit etwa zwei Milliarden Tonnen Haushaltsabfälle. Ein großer Teil davon wird deponiert oder verbrannt, oft mit erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima. Ein Beispiel: In Belgien werden derzeit nur etwa 60 Prozent der Haushaltsabfälle recycelt. 

Um diesen Prozentsatz zu erhöhen, ist jedoch der Prozess der Abfallsortierung entscheidend, bei dem Kunststoffe und andere wertvolle Abfälle vom Rest getrennt werden. Gegenwärtig wird dies noch häufig von Hand erledigt, aber das ist nicht nur teuer, sondern auch eine sehr ungesunde Arbeit, für die es schwierig ist, Personal zu finden. Der Roboterarm von Dewulf und Hedley soll in Zukunft eine Lösung für dieses Problem bieten. 

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