Gaskraftwerk in Drogenbos im Süden der Hauptstadt-Region Brüssel

Im Gegensatz zu Deutschland und den Niederlanden: kein Alarm für die Gasversorgung in Belgien

Obwohl in dieser Woche die Niederlande ihre Frühwarnung und Deutschland die zweite Krisenstufe des Gasnotfallplans ausgerufen hat, soll die Gasversorgung in Belgien weiterhin gewährleistet sein, so eine Mitteilung der belgischen Energieministerin Tinne Van der Straeten: "Die Situation bleibt dennoch angespannt. Das Risiko, dass die Preise steigen und hoch bleiben, ist real.” 

Im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern ist Deutschland stark von russischem Gas abhängig. Vor dem Einmarsch in die Ukraine kam mehr als die Hälfte der deutschen Gasimporte aus Russland. Seit einigen Tagen werden nur noch etwa 40 Prozent der normalen Menge geliefert.  

Belgien war am vergangenen Wochenende über die neuen Gasversorgungsstrategien Deutschlands und der Niederlande informiert worden. Die Länder stehen in ständigem Kontakt und die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf Belgien werden genau analysiert, heißt es im Energieministerium.  

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Belgien profitiert von Zeebrugge

Aus der Analyse des Energieministeriums geht hervor, dass die Gasversorgung in Belgien weiterhin gewährleistet ist und es derzeit keine Anhaltspunkte für die Auslösung der Frühwarnphase gibt. Im Gegensatz Deutschland und den Niederlanden hat Belgien praktisch kein russisches Gas in seinen Hafenanlagen gelagert. Zeebrugge und Dünkirchen in Frankreich sind wichtige Einfuhrhäfen für Erdgas.  

"Auf alles vorbereitet sein"

Als Import- und Transitdrehscheibe ist Belgien der Gas-Hub Europas. Belgien exportiert derzeit Flüssiggas (LNG) nach Deutschland mit maximaler Kapazität und täglichen Durchschnittswerten von 750 GWh/d. In die Niederlande exportiert Belgien ebenfalls Flüssiggas, und zwar in einer Größenordnung von 433 GWh/d. 

Der Verbrauch von Flüssiggas in Belgien liegt derzeit bei etwa 325 GWh/d. Damit liefert Belgien ein Volumen nach Deutschland und in die Niederlande, das dem 3,5-fachen seines eigenen Verbrauchs entspricht.  

Doch auch wenn die Frühwarnphase nicht in Sicht ist, "bleibt die Lage angespannt", warnt Energieministerin Van der Straeten (flämische Grünen). "Das Risiko, dass die Preise steigen und hoch bleiben, ist real". 

"Energie wird als Waffe eingesetzt und in einem Energiekrieg ist es umso wichtiger, auf alle Szenarien vorbereitet zu sein. Und zwar an allen Fronten und in Absprache mit unseren Nachbarn."  

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