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Salah Abdeslam bekommt lebenslänglich für Teilnahme an IS-Terroranschlägen in Paris

Salah Abdeslam war einer der Hauptangeklagten im Pariser Terrorismusprozess, der vor zehn Monaten begonnen hatte. Der in Brüssel geborene Franzose war der einzige der zehn Terroristen, der die Anschläge vom 13. November 2015 überlebte. Während des Prozesses hatte Abdeslam erklärt, er habe niemanden getötet oder verletzt. Sein Bombengürtel war nicht explodiert. Er sagte aus, er habe es sich in letzter Minute anders überlegt, aber Experten konnten beweisen, dass sein Bombengürtel defekt war. 

Auf dem Geschworenenprozess, auf dem am Mittwochabend das Strafmaß verkündet wurde, erhielt Salah Abdeslam als Mittäter die härteste von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafe: lebenslange Haft ohne die Möglichkeit der Freilassung. Abdeslam hatte bei der Organisation der Anschläge gehofen und während der syrischen Flüchtlingskrise im Sommer 2015 IS-Kämpfer aus ganz Europa nach Belgien gefahren und in sicheren Unterkünften untergebracht. Er sollte sich in Paris zusammen mit sieben anderen Kamikaze-Attentätern in die Luft sprengen.

Fünf weitere Angeklagte haben ebenfalls die schwerste Strafe erhalten, waren bei der Verhandlung aber nicht anwesend, da sie möglicherweise in Syrien ums Leben kamen.   

Mohamed Abrini, auch bekannt als "Mann mit dem Hut" bei den Anschlägen in Brüssel im März 2016, wurde in Paris unter anderem der Mitgliedschaft einer terroristischen Vereinigung sowie der Beihilfe zum Totschlag und zum versuchten Totschlag für schuldig befunden. Abrini war an der Vorbereitung des Pariser Anschlags beteiligt gewesen und war mit den Terroristen nach Paris gefahren. Er besorgte auch Waffen. Abrini erhält ebenfalls eine lebenslange Haftstrafe, von der er mindestens 22 Jahre absitzen muss. 

Mohamed Bakkali, der den Terroristen Versteckadressen verschafft hatte, wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt. Der Belgo-Marokkaner muss mindestens zwei Drittel dieser Strafe verbüßen. Auch Osama Krayem und Sofien Ayari wurden zu 30 Jahren Haft verurteilt. Hamza Attou, ein Freund von Salah Abdeslam, bekam 4 Jahre Gefängnis in Paris. In der Nacht nach den Anschlägen war er mit Mohammed Amri nach Paris gefahren, um Abdeslam abzuholen und zurück nach Belgien zu bringen. Amri selbst wurde zu einer 8-jährigen Haftstrafe verurteilt.   

Die Anschläge rund um das Stade de France, auf den Terrassen des Place de la Nation und im Konzertsaal Bataclan kosteten 130 Menschen das Leben. Fast 400 Menschen wurden verletzt.

Im Oktober beginnt der Terrorismusprozess in Brüssel

Der Prozess in Paris hat zehn Monate gedauert, aber damit ist der Vorhang noch nicht endgültig gefallen. Die Verurteilten können Berufung einlegen. 

Außerdem wird Salah Abdeslam, ebenso wie vier weitere im Pariser Prozess Verurteilte, im Herbst dieses Jahres wegen der Anschläge vom 22. März 2016 in Brüssel und Zaventem vor Gericht stehen. Der wohl größte Prozess, der jemals in Belgien stattfinden wird, soll voraussichtlich neun Monate dauern. Erst danach würde ein Berufungsverfahren in Frankreich anberaumt. 

Der Prozess in Brüssel wird im Oktober beginnen. Die Angeklagten, die jetzt in Paris verurteilt wurden, werden Mitte oder Ende Juli für die Dauer des Prozesses nach Belgien gebracht. Es handelt sich u. a. um Abdeslam, Abrini, Krayem und Bakkali. Wenn sie auch in Belgien verurteilt werden, werden alle Strafen zusammengerechnet. 

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