In Belgien lehnen immer mehr Menschen eine Erbschaft ab

Nach einer Meldung der flämischen Sonntagszeitung De Zondag lehnen immer mehr Menschen beim Notar ein Erbe ab. Wenn man in Belgien erbberechtigt ist, hat man seit einiger Zeit das Recht, dieses abzulehnen, wenn z.B. der Verstorbene Schulden hinterlassen hat. 

2019 hatten in unserem Land 39.794 Personen ein Erbe abgelehnt, 2020 schon 41.702 und letztes Jahr lehnten 44.155 eine Erbschaft ab. „Früher musste man vor Gericht ziehen, um ein Erbe abzulehnen und dies war mit Kosten verbunden. Seit einigen Jahren muss man nichts mehr selbst unternehmen, denn das kann der Notar übernehmen“, so Carol Bohyn vom Dachverband der belgischen Notare.

Wenn ein Erbe Schulden beinhaltet oder wenn der Wert oder die Summe einer Erbschaft unter 5.000 € liegt, ist eine solche Ablehnung sogar kostenlos: „Die Kosten dieser Ablehnung werden durch einen notariellen Fonds gedeckt.“

Theoretisch haben Erben 30 Jahre lang die Zeit, ein Erbe abzulehnen, doch man sollte nicht zu lange warten, so Carol Bohyn: „Je länger man wartet, desto größer wird das Risiko, dass man als ein sogenannter Stillschweigender, der das Erbe doch annimmt, angesehen. Und dann muss man die Schulden eines Verstorbenen doch noch bezahlen.“ Und falls ein Erbberechtigter ohne das Erbe zu verwerfen auch stirbt, kann es sein, dass dessen Nachkommen für die Schulden aufkommen müssen.

Falls ein Erbberechtigter nicht wirklich weiß, ob er möglicherweise Schulden erbt, sollte er sehr vorsichtig sein, wie Carol Bohyn rät: „Unterschreiben sie kein einziges Dokument und verrichten sie keine Zahlung. Nehmen sie Kontakt zu einem Notar auf. Der kann dann Untersuchungen anstellen und heraussuchen, ob sich darin bestimmte Schulden befinden. Erst wenn das alles deutlich ist, sollte man beschließen, ob man ein Erbe annimmt oder ablehnt.“ 

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