Hohe Energiepreise: Flämische Städte und Gemeinden ergreifen erste Sparmaßnahmen

Ob kälteres Schwimmbadwasser oder weniger Straßenbeleuchtung: Flämische Städte und Gemeinden haben damit begonnen, ihre Energierechnungen senken. 

Spätestens im Herbst drohen auch bei den flämischen Städten und Gemeinde die Energierechnungen aufgrund der aktuell hohen Energiepreise zu explodieren. Deshalb ergreifen mittlerweile mehrere Städte und Gemeinden Maßnahmen, um dem entgegenzuwirken. Das bestätigen mehrere Bürgervertreter gegenüber der Zeitung „Het Laatste Nieuws“ sowie VRT NWS.

„Alle flämischen Städte und Gemeinden beschäftigen sich schon seit langem mit dem Thema Klima", sagt der Bürgermeister von Genk Wim Dries (CD&V), der zugleich Vorsitzender des flämischen Städte- und Gemeindeverbands ist. „Sie tun dies meist mit Blick auf langfristig wirkende Maßnahmen, aber natürlich wollen sie in diesen außergewöhnlichen Zeiten mit sehr hohen Rechnungen auch Maßnahmen ergreifen, die sofort wirken.“

In Genk experimentieren wir im Schwimmbad, um die Temperatur zu senken.

Wim Dries (CD&V), Bürgermeister von Genk

Welche Maßnahmen das sein können, verdeutlicht Dries am Beispiel seiner eigenen Stadt. „In Genk experimentieren wir im Schwimmbad, um die Temperatur zu senken", erklärt der Bürgermeister. „Wir haben die Temperatur unserer Duschen bereits um ein Grad gesenkt und überlegen nun, sie um ein weiteres Grad auf dann 36 Grad zu senken. Wir überlegen auch, ob wir das Wasser im Schwimmbad etwas kühler zu machen sollten, von derzeit 29 auf 28 Grad", fügt er hinzu. Außerdem würden Überlegungen angestellt, wie beim Heizen und Beleuchten der städtischen Gebäude ab Herbst Geld gespart werden könne.

Auch in der ostflämischen Stadt Gent befasst sich der Stadtrat mit der Frage, wie die Energierechnung gesenkt werden kann. „Ich denke, das sind wir unseren Bürgern schuldig“, sagt Filip Watteeuw (Groen), in der Stadtregierung verantwortlich für den öffentlichen Raum. Und begründet: „Steigende Energiepreise fressen die Budgets der Gemeinden auf. Das Geld, das für Energie ausgegeben wird, kann nicht mehr für andere Dinge verwendet werden. Es ist also nur logisch, dass wir uns über Sparmaßnahmen Gedanken machen“, sagt Watteeuw.

Wir müssen auf Polizei und Feuerwehr Rücksicht nehmen.

Filip Watteeuw (Groen), Schöffe in Gent

Konkret will Gent in einem ersten Schritt bei der öffentlichen Beleuchtung sparen. „Die Beleuchtung kostet uns jährlich etwa drei Millionen Euro, und das war vor den steigenden Energiepreisen“, betont Watteeuw. Jetzt werde es viel mehr sein. Wie da gespart werden könne?

„Wir können das Licht für einen Teil der Nacht ausschalten oder dimmen. Das Ausschalten der Beleuchtung für nur eine Stunde würde sicherlich 400.000 Euro sparen“, rechnet der Grünen-Politiker vor. Die Stadt überlege noch, wie die Beleuchtung ganz konkret reduziert werden könne. „Wir müssen auf Polizei und Feuerwehr Rücksicht nehmen und sehen, wo und wann wir das Licht ausschalten oder dimmen können", sagt Watteeuw. Man sei gerade dabei, verschiedene Szenarien zu durchzuspielen. Bis Herbst soll der Plan stehen.

Dass die Städte und Gemeinden, die jetzt über das Energiesparen nachdenken oder bereits Maßnahmen ergreifen, damit richtig liegen, wird von dritter Seite bestätigt. Véronique Goossens, Chefvolkswirtin bei der belgischen Bank Belfius, geht von einem Anstieg der Energieausgaben von durchschnittlich 50 Prozent für Städte und Gemeinden aus. „Einige Verwaltungen sprechen sogar von einer Verdoppelung oder gar Verdreifachung ihrer Rechnung“, sagt Goossens. 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten