Belgier lassen sich in Frankreich gegen Affenpocken impfen

In Nordfrankreich haben sich schon mehrere Dutzend Belgier gegen Affenpocken impfen lassen. Offenbar ist es in Frankreich einfacher, sich gegen das Virus impfen zu lassen. Die Franzosen haben weitaus größere Vorräte an Affenpocken-Vakzinen angelegt, als Belgien. Zudem ist die Gruppe derer, die sich gegen dieses Virus impfen lassen können, breiter ausgelegt. 

„In Frankreich rät der Hohe Gesundheitsrat Personen eine präventive Impfung an, die ein höheres Risiko haben, sich mit dem Affenpockenvirus anzustecken“, sagt Karima Chouia, die Leiterin des Impfzentrums in der nordfranzösischen Metropole Lille gegenüber VRT NWS:

„Wir richten uns an Männer, die Geschlechtsverkehr mit anderen Männern haben, an Transgender, die verschiedene Sexualpartner haben und an Sexarbeiter. Affenpocken sind übrigens keine sexuell übertragbare Krankheit, also wollen wir diese Zielgruppe nicht stigmatisieren. Das ist einfach die sensibelste Gruppe, also auch unsere prioritäre Zielgruppe.“

In Belgien hingegen ist die Zielgruppe für Impfungen gegen Affenpocken wesentlich eingeschränkter. Hier werden Männer angesprochen, die mit HIV-Positiven bzw. mit Männern, die einer HIV-Therapie folgen (HIV-Prep) und die im vergangenen Jahr mindestens zweimal eine Geschlechtskrankheit hatten. Ebenfalls in Anmerkung kommen männliche und transsexuelle Sexarbeiter. Hinzukommen Personen mit Störungen ihres Immunsystems, die ein hohes Infektionsrisiko tragen und die Mitarbeiter von Laboren, die mit dem Virus arbeiten.

Während Frankreich über zehntausende Impfdosen gegen Affenpocken verfügt, muss Belgien noch mindestens bis Oktober mit 3.040 Impfdosen haushalten. Erst im Herbst werden 30.000 weiter Dosen erwartet. Dadurch kann in unserem Land nicht jeder eine präventive Impfung gegen die Affenpocken erhalten, der das möchte. Da bietet das Nachbarland Frankreich eine von einigen herbeigesehnte Alternative… Sensoa, das Fachzentrum für sexuelle Gesundheit in Belgien, drängt zwar nicht auf diesen „Impftourismus“, zeigt jedoch durchaus Verständnis dafür. 

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