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Menschenhandel an der Borealis-Baustelle in Antwerpen: Bereits 174 Opfer bekannt

Inzwischen sind 174 Menschen, die als illegale Leiharbeiter auf der Baustelle des Chemieunternehmens Borealis im Hafen von Antwerpen tätig waren, als Opfer von Menschenhandel in Belgien anerkannt worden. Nach Auffassung der NGO Payoke, die sich um Opfer von Menschenhandel kümmert, ist dies wohl der größte Fall in diesem Zusammenhang in unserem Land.

Klaus Vanhautte, der Direktor von Payoke, sagte gegenüber dem VRT-Sender Radio 2, dass seine Organisation mit einer solch hohen Zahl an Opfern auf einmal überfordert sei und dass viele der Betroffenen aufgrund überfüllter Aufnahmemöglichkeiten für Flüchtlinge in Belgien noch immer unter prekären Umständen leben müssten:

„Wir haben jetzt 174 anerkannte Opfer von Menschenhandel im Fall des Chemieunternehmens Borealis registriert. Ich glaube sogar, dass das einer der größten Fälle in ganz Europa ist. Das ist eine Katastrophe. Historisch gesehen ist dies der größte Fall von Menschenhandel in Belgien und wir können nicht allen helfen.“

Die ersten 55 anerkannten Opfer konnte die Stadt Antwerpen unterbringen, doch die anderen Betroffenen haben vorläufig noch keine Aussicht auf eine vernünftige Unterbringung: „Sie halten sich noch unter prekären Umständen an den Orten auf, wo sie durch ihre Rekrutierungsbüros untergebracht und von wo aus sie ausgebeutet wurden. Das sind Härtefälle.“ 

Das ist ein bisher nie dagewesener Fall.“

Pieter Wyckaert, Arbeitsauditor in Antwerpen

Bei den Betroffenen handelt es sich um Arbeitskräfte bengalischer Herkunft aus Bangladesch, von den Philippinen und auch aus der Türkei, wie Pieter Wyckaert, Arbeitsauditor in Antwerpen, mitteilt: „Das ist ein bisher nie dagewesener Fall.“ All diese Menschen wurden unterbezahlt und mussten unter erbärmlichen Umständen auf der Borealis-Baustelle schuften.

Inzwischen laufen Ermittlungen gegen die Subunternehmer von Borealis wegen Menschenhandel und illegaler Ausbeutung. Borealis selbst will von diesen Vorgängen nichts gewusst haben und verlangt „totale Transparenz“ von seinen Subunternehmen. Das österreichische Unternehmen ist einer der größten Chemiekonzerne in Europa und investiert 1 Mia. € in seine neue Fabrik für Kunststoff und Plastik in Antwerpen.

Der Fall kam nach Kontrollen der Arbeitsinspektion Ende Juli ins Rollen (siehe Berichte an anderer Stelle bei flanderninfo.be). Die Betroffenen arbeiteten an 6 Tagen in der Woche und bekamen dafür nur 650 € pro Monat. Sie kamen vermutlich über Ungarn und Polen nach Belgien, wo sie eine befristete Arbeitserlaubnis für die EU bekamen.  

Borealis

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