Der ehemalige "Oskar-Stollen" in der Nähe von Kelmis
Andreas Kockartz

Seltene Erden: Soll es im ostbelgischen Kelmis wieder Bergbau geben?

Mitte Juli sagte der Universitätsprofessor Eric Pirard aus Lüttich, dass man sich in Belgien wieder dem lokalen Bergbau widmen sollte. Es könne nicht sein, dass alle sogenannten „Seltenen Erden“ aus Afrika oder China importiert werden müssten, während hierzulande, z.B. im ostbelgischen Kelmis, noch immer reiche Bodenschätze schlummern würden. Bereits Anfang 2018 wollte ein privates Bergbauunternehmen hier nach Bodenschätzen suchen… 

Damals gab es Bürgerversammlungen und auch die Regierung der Wallonischen Region beschäftigte sich mit diesem Thema, doch Genehmigungen für Probebohrungen wurden seinerzeit nicht erteilt. Damit wurde das Thema Bergbau in der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien wieder zu den Akten gelegt.

Doch seit dem hat sich vieles auf der Welt geändert, z.B. geopolitisch. Und genau da knüpft der Professor für Bergbau-Ressourcen der Universität Lüttich, Eric Pirard, an, wie der belgische Rundfunk in deutscher Sprache, BRF, in der vergangenen Woche meldete.

Pirard sieht im Bergbau rund um Kelmis, wo bis etwa 1950 noch Galmei und Zink abgebaut wurde, eine Möglichkeit für die Suche nach „Seltenen Erden“. Dort, wo es Galmei gibt, gibt es auch weitere Stoffe, wie Germanium, Indium oder Gallium und diese Materialien sind für die Herstellung von Glasfaserkabel und für allerlei elektronische Geräte, auf die die Gesellschaft heute nicht verzichten kann, notwendig.

Aber, solche und andere „Seltene Erden“, wie möglicherweise im Raum Kelmis im Boden schlummern, werden heute massiv von chinesischen Unternehmen in Afrika gehoben und exportiert. Und denen sollte man das, so Pirard, nicht alleine überlassen.

Das Thema Bergbau ist in Kelmis und Umgebung ein kontrovers diskutiertes Thema. Befürworter sprechen von Arbeitsplätzen und wirtschaftlicher Blüte, Gegner von Umweltschutz und von der Zerstörung neuer Wirtschaftszweige, wie dem Tourismus oder der Landwirtschaft in dieser Gegend. 

Bergbaumuseum

Wer mehr zur Geschichte des Bergbaus in und um Kelmis erfahren möchte, dem sei das dort vor noch nicht allzu langer eröffnete Bergbaumuseum empfohlen. Dieses wurde im ehemaligen Bahnhof und in früheren Direktionsgebäude der Bergbaugesellschaft „Vielle Montagne“ eingerichtet. „Vielle Montagne“ steht für Altenberg und das ist der alte Name von Kelmis.

Rund um Kelmis und um weitere Dörfer, in denen es bis Ende der 1940er Jahre noch Bergbau gab, wurden Wanderungen und Spazierwege eingerichtet, die z.B. zu alten Stollen führen. Und dabei wird auch deutlich, wie sehr sich diese Region auf Landwirtschaft und Tourismus verlegt hat.

Mehr Info: https://mvm-kelmis.be/de/ oder die Webseite der Gemeinde Kelmis zu den Wanderungen, die hier angeboten werden: https://www.kelmis.be/gemeindeleben/tourismus-freizeit/wander-und-radrouten.  

Das Bergbaumuseum in Kelmis
Andreas Kockartz

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