Vor dem Dokumentationszentrum in der Kaserne Dossin erinnert ein alter Güterwagen an die Deportationszüge

Vor 80 Jahren fuhr der erste Deportationszug von Mechelen nach Auschwitz

Am 4. August 1942 fuhr der erste Deportationszug von der Sammelstelle in der Kaserne Dossin in Mechelen (Prov. Antwerpen) in Richtung Polen nach Auschwitz ab. An Bord befanden sich 999 jüdische Frauen, Männer und Kinder, die ins dortige Konzentrations- und Vernichtungslager gebracht wurden. Dieser Zug war der erste seiner Art aus Richtung Belgien zu den KZs der Nazis während des Zweiten Weltkriegs.

Zwischen 1942 und 1944 dienste die Kaserne Dossin in Mechelen als Sammelstelle für Juden, Sinti und Roma aus Belgien und aus anderen Ländern in Westeuropa vor der Deportation in die KZs und die Vernichtungslager der Nazis. Insgesamt fuhren 28 Züge von  Mechelen aus zu den Konzentrationslagern.

Dabei wurden 25.843 Menschen deportiert. Überlebt hat vielleicht jeder 20. der damals Betroffenen, wie aus den Akten im Holocaust- und Dokumentationszentrum in der Kaserne Dossin ersichtlich ist.

Aus diesem ersten Deportationszug konnte eine junge Frau fliehen. Die damals 16 Jahre alte Hanna Karpowitz sprang aus dem Zug, wurde jedoch wieder festgenommen und mit dem nächsten Zug aus Mechelen deportiert. Karpowitz war eine deutsche Jüdin, die nach Brüssel geflohen war. Von ihr fehlt nach ihrer Deportation bis heute jede Spur…

Die Juden, die in Belgien von den deutschen Besatzern erfasst wurden, bekamen einen Befehl, dass sie sich in der Kaserne Dossin melden sollten, um dort eine Arbeitsstelle zugewiesen zu bekommen. Doch von dort aus wurden sie deportiert. Von den 999 Insassen des ersten Deportationszuges aus Mechelen überlebten nur 8 Personen die Zeit in den Konzentrationslagern.

Die Abfahrt dieses ersten Zuges am 4. August 1942 war das Startsignal für eine Verfolgungswelle in Belgien, die ihresgleichen sucht. Viele Juden aus Deutschland und aus von den Deutschen besetzten Ländern und Gebieten waren nach Belgien vor Antisemitismus und Gewalt geflohen, doch auch hier holte sie das Grauen ein. Und auch die hier ansässigen Juden entkamen den Häschern der Nazis nur selten. 

Die Sammelstelle in der Kaserne Dossin

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