Foto Michaël Torfs

Drastisch niedrige Grundwasserstände in Flandern

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit ist der Grundwasserspiegel in Flandern drastisch gesunken. Auch die Pegel von Flüssen und Kanälen stehen tief. Die Sorgen werden immer größer.

79 Prozent der Messstellen für Grundwasser in Flandern zeigen zurzeit das Niveau „niedrig bis sehr niedrig“. An 18 Messstellen von Fließgewässern sind historische Tiefpunkte erreicht. Das geht aus Zahlen der flämischen Umweltagentur (VMM) hervor. Die niedrigen Wasserstände machen Natur und Landwirtschaft, aber zunehmend auch der Schifffahrt zu schaffen.

Die Zahlen von Anfang August sind dabei noch schlechter als die des trockenen Sommers 2020. Damals erreichten „nur" 75 Prozent der Messstellen niedrige oder sehr niedrige Werte. Im vergangenen Sommer, der als ein feuchter Sommer gilt, wurden niedrige oder sehr niedrige Werte lediglich von sieben Prozent der Messstellen erreicht.

Das große Niederschlagsdefizit und der extrem trockene Monat Juli – der trockenste seit Ende des 19. Jahrhunderts –  wirken sich also zunehmend aus. In einigen Regionen ist das Niederschlagsdefizit seit dem 1. April bereits auf über 300 Millimeter oder 300 Liter Wasser pro Quadratmeter gestiegen. Besonders betroffen von der Trockenheit sind die Provinzen Westflandern und Ostflandern. 

Das ist wirklich ein großes Problem für die Natur, für die Fauna und Flora.

Katrien Smet, Sprecherin VMM

Die Wasserstände in kleineren, nicht befahrbaren Wasserläufen liegen ebenfalls sehr niedrig. An 53 Prozent der Messstellen werden derzeit sehr niedrige und niedrige 14-Tage-Durchschnittsabflüsse gemessen. An einigen Stellen wurden sogar rekordverdächtig niedrige Werte gemessen, wie zum Beispiel an mehreren Stellen in Westflandern und in den Einzugsgebieten von Dender und Dijle. Und das, obwohl dort seit mehreren Wochen ein Pumpverbot für Landwirte gilt.

„Das ist ein wirklich großes Problem für die Natur, für die Fauna und Flora“, sagt Katrien Smet, Sprecherin der VMM. Viele Fische seien bereits gestorben, andere in andere Gewässer ausgewandert.

Doch nicht nur an kleineren Gewässern seien die Auswirkungen der großen Trockenheit zu spüren. Auch die größeren, schiffbaren Wasserstraßen seien mittlerweile mehr und mehr betroffen. „Es müssen zahlreiche Maßnahmen ergriffen werden, um sie schiffbar zu halten", sagt Smet. 

Die Situation ist ernst.

Katrien Smet, Sprecherin VMM

Auf dem Kanal Gent-Terneuzen, einer wichtigen Wirtschaftsachse, können die Schiffe nicht mehr voll beladen werden, weil der Wasserstand im Kanal so weit gesunken ist. Auf dem ebenfalls stark befahrenen Albert-Kanal wurden an den Schleusen Pumpen installiert, um sicherzustellen, dass bei jeder Öffnung der Schleuse nicht zu viel Wasser verloren geht.

„Die Situation ist ernst und wird genau beobachtet“, sagt Smet. Sie betont aber auch, dass Flandern besser gegen die Dürre gewappnet sei als noch vor einigen Jahren, zumindest was die Trinkwasserversorgung betrifft. Denn die sei bislang noch nicht gefährdet.

Am Montag wird die Dürreberatungsgruppe erneut über die aktuelle Situation beraten. Am vergangenen Montag hatte sie keine Maßnahmen beschlossen. Wenn es weiterhin trocken bleibt, könnte sich das ändern. Für nächste Woche haben Meteorologen eine neue Hitzewelle vorhergesagt. 

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