Hasselt führt Tempo 20 in Innenstadt ein

Die komplette Innenstadt von Hasselt gilt ab sofort als großes Wohngebiet. Die Höchstgeschwindigkeit für alle Verkehrsteilnehmer ist damit auf 20 Stundenkilometer begrenzt.

Bislang war das Stadtzentrum von Hasselt eine Tempo-30-Zone. Die Stadt geht jetzt noch einen Schritt weiter und senkt die Höchstgeschwindigkeit für Autos und Motorräder, aber auch Fahrräder und Roller auf maximal 20 Stundenkilometer.

62 neue, blaue Verkehrsschilder wurden dafür in der Innenstadt angebracht. Sie weisen Straßen und Plätze eindeutig als Wohngebiet und Spielstraßen aus, in denen grundsätzlich nur Tempo 20 gilt. Die Tempo-30-Schilder wurden abgehangen. 

Die Stadt möchte mit diesem Schritt Konflikte zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern aus der Welt schaffen. „Es gibt Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern in Bezug auf die Geschwindigkeit, mit der Radfahrer in der Innenstadt unterwegs sin. Aber auch zwischen Autofahrern und Radfahrern“, sagt Verkehrsschöffe Marc Schepers. Mit der neuen Zone 20 sollen diese Konflikte verschwinden.

Menschen stellen schneller Augenkontakt miteinander her.

Dirk Lauwers, Verkehrsexperte

Zwar könnte es sein, dass das nicht sofort passiert, gibt Dirk Lauwers, Verkehrsexperte und zurzeit Gastprofessor an den Universitäten von Antwerpen und Gent zu bedenken. Aber die Lösung von Konflikten könnte besser klappen. „Menschen stellen schneller Augenkontakt her miteinander, wenn man langsamer unterwegs ist. Und das hilft, Konflikte schnell zu lösen“, sagt er.

Lauwers vergleicht das mit dem Alltag in Supermärkten. Dort seien auch immer viele Kunden mit Einkaufswagen unterwegs, aber Zusammenstöße zwischen Einkaufswagen seien sehr selten. Weil man Zusammenstöße eben schnell und einfach vermeiden könne durch Blickkontakt und direkte Verständigung. 

Das Ziel der Stadtregierung könnte also durchaus erreicht werden: König in der Innenstadt von Hasselt soll künftig der Fußgänger sein. Doch wie werden Autofahrer reagieren?

Das ist eher ein symbolischer Akt.

Stef Willems, Pressesprecher Vias

Experten bleiben gelassen. Sie glauben, dass sich für Autofahrer wenig ändert. „In der Praxis lag die Höchstgeschwindigkeit bislang schon bei rund 20 Stundenkilometern in der Innenstadt von Hasselt“, sagt der unabhängige Verkehrsexperte Kris Peeters. Das sei in einem mittelalterlichen Stadtzentrum wie in Hasselt kaum anders möglich. Die Straßen seien dort so eng, dass schnelleres Fahren kaum möglich sei. Jetzt werde das Tempo halt amtlich kontrolliert.

„Das ist eher ein symbolischer Akt um zu sagen: Das Auto ist in der Innenstadt nur Gast“, glaubt auch Stef Willems vom Verkehrssicherheitsinstitut Vias nicht an große Veränderungen für Autofahrer. „Die Botschaft lautet, dass man nur dann mit dem Auto in der Innenstadt fahren sollte, wenn es wirklich notwendig ist“, fügt er hinzu. 

Alle Verkehrsteilnehmen müssen sich an die 20 Stundenkilometer halten.

Cathy Macharis, Professorin für nachhaltige Mobilität und Logistik

Änderungen könnte die neue Regelung allerdings für Radfahrer und Nutzern von Elektrorollern bedeuten. Warum? „Weil sich alle Verkehrsteilnehmer an die 20 Stundenkilometer halten müssen“, sagt Cathy Macharis, Professorin für nachhaltige Mobilität und Logistik an der Freien Universität Brüssel (VUB). Und das bedeute, dass die Höchstgeschwindigkeit auch für Elektrofahrräder und E-Roller gelte. Mit diesen können man heutzutage aber ohne Probleme auch schneller fahren, als es in Hasselt jetzt erlaubt ist. 

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