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Hydrologe: "Wenn es bis zum September trocken bleibt, dann wird es schlimmer als 1976"

Nach Ansicht von Patrick Willems (Foto), Hydrologe an der Universität Löwen (KU Leuven), erlebt Belgien gerade eine Dürre, die an die extreme Trockenheitsperiode im Jahr 1976 erinnert. Bleibt der Sommer bis in den September hinein so trocken und niederschlagsarm, so Willems, dann könnte es schlimmer werden. Flandern müsse Maßnahmen ergreifen, um Niederschlagswasser besser aufzufangen, um extremer Trockenheit vorzubeugen.

Seit Wochen ist es heiß und es regnet kaum bei Temperaturen, die auch schonmal 30°C überschreiten. „Wir erleben gerade eine Trockenheit, die an die Dürre von 1976 erinnert“, so Hydrologe Willems am Freitagabend in der VRT-Magazinsendung „Terzake“ („Zur Sache“): „Wenn wir uns die Wettervorhersage anschauen, dann geht es in Richtung 1976 und es wird möglicherweise noch extremer.“

Auch Patrick Willems ist der Ansicht, dass dies auf den Klimawandel zurückzuführen ist: „Das wird in Zukunft sowieso noch häufiger passieren und möglicherweise noch extremer, als jetzt. Wir müssen uns gegen ein solches Phänomen wappnen. Das bedeutet, dass wir viel mehr Wasser auffangen müssen, wenn es regnet.“ 

Wenn wir alle Regenwasserzisternen anlegen, können wir den Gesamtbedarf an Trinkwasser in Flandern zur Hälfte auffangen.“

Patrick Willems, Hydrologe an der KU Leuven

Willems schlägt zum Beispiel vor, viel häufiger die Versiegelung des Bodens in den Städten aufzubrechen und Grünzonen anzulegen, damit Regenwasser besser in den Boden und ins Grundwasser einsickern kann. Auch soll die Industrie Brauchwasser klären und wieder nutzen. Und es müssen mehr Regenwasserzisternen angelegt werden: „Wenn wir das alle machen, können wir den Gesamtbedarf an Trinkwasser in Flandern zur Hälfte auffangen.“

Flanderns Landesumweltministerin Zuhal Demir (N-VA) arbeitet schon länger an ihrem „Blue Deal“, der sich genau mit diesem Thema befasst, also mit dem Thema Wasserspeicherung und Grundwasserreserve. Der „Blue Deal“ ist der flämische Aktionsplan gegen Trockenheit und Wassermangel. „Wir sind damit zugange, doch wir müssen einen Gang höher schalten“, so der Löwener Hydrologe. 

1976 erlebten Teile von Europa eine bisher nie dagewesene Dürre- und Trockenheitsperiode. In Belgien wurde das Trinkwasser damals rationiert. Familien zogen zu Bächen, Flüssen, Seen und Teichen, um sich zu waschen und Dinge, wie Autowaschen oder das Füllen von Planschbecken war bei Strafe (empfindliche Bußgelder oder sogar einige Tage Haft) strengstens untersagt, wie unser kleiner Nachrichtenbeitrag der damaligen BRTN aus dem Jahr 1976 zeigt (in niederländischer Sprache). 

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James Arthur Photography
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