Borealis

Menschenhandel auf Borealis-Baustelle: Untersuchungsausschuss für Ende August angesetzt

Am Dienstag, 30. August, kommt der Ausschuss für Justiz und Soziales in der Ersten Kammer des belgischen Bundesparlaments zusammen, um in einer Sondersitzung den mutmaßlichen Menschenhandel auf der Baustelle des Borealis-Chemiekonzerns im Hafen von Antwerpen zu besprechen. Die linksradikale Partei PVDA hat diese Sitzung anberaumt und will dazu im Ausschuss die zuständigen Bundesminister befragen.

Konkret sind Bundesjustizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) und Bundesarbeitsminister Pierre-Yves Dermagne (PS) dazu aufgefordert, vor dem Kammerausschuss Justiz und Soziales Fragen zu einem möglichen Menschenhandel auf der Borealis-Baustelle in Antwerpen zu beantworten. 

Im Juli wurden auf der riesigen Baustelle im Antwerpener Hafen bei einer Kontrolle der Sozialinspektion unter den dort beschäftigten Arbeitern 55 Menschen entdeckt, die hier illegal und unterbezahlt tätig waren. Dabei handelte es sich um Arbeiter aus den Philippinen und um Bengalen, die zudem noch in bedenklichen Unterkünften wohnen mussten. Inzwischen aber hat sich die Zahl der Betroffenen auf 174 Personen erhöht.

„Wir sind Zeugen eines nicht für möglich gehaltenen Beispiels von Menschenhandel und Ausbeutung in einem der größten Häfen Europas geworden. Es mangelt nicht nur an Unterbringungskapazität für die Opfer, sondern auch an Inspektoren, um Baustellen zu kontrollieren. Wir vermissen auch eine durchgreifende Gesetzgebung, die die weitverbreitete Ausbeutung und den Menschenhandel strukturell angeht. Für uns ist deutlich: Die Verantwortung von Firmen, die mit Subunternehmen arbeiten, muss ausgeweitet werden“, so der PVDA-Abgeordnete Thierry Warmoes.

Die kommunistische Partei fordert von den Ministern, so schnell wie möglich in der Frage für Klarheit zu sorgen, wie es so weit kommen konnte und welche Maßnahmen dagegen zu ergreifen sind. Daneben wird die PVDA einen Gesetzesvorschlag unterbreiten, mit dem ein Auftraggeber verantwortlich für die vollständige Bezahlung von Löhnen und für das Einhalten der Rechte der Arbeitnehmer sein soll, ungeachtet der Zahl an Subunternehmen und ungeachtet des jeweiligen Sektors.

Das österreichische Chemieunternehmen Borealis, das im Hafen von Antwerpen rund 1 Mia. € in den Bau von weiteren Produktionsstätten investiert, hat sich unterdessen von dem italienischen Bauunternehmen IREM und dessen Subunternehmen getrennt und die Mega-Baustelle im Antwerpener Hafen ruht bis auf weiteres.      

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