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Akuter Personalmangel in den Wohn- und Pflegeheimen in Flandern

Eines von 10 Wohn-, Pflege- und Seniorenheimen in Flandern erwägt einen Aufnahmestopp, weil die Personaldecke nicht mehr ausreicht. Dies meldet die flämische Tageszeitung Het Belang van Limburg. Vor allem die Provinzen Limburg und Westflandern sind von diesem Problem betroffen.

Trotz des Einsatzes von Zeitarbeitskräften reicht die Personaldecke bei vielen Wohn- und Pflegeeinrichtungen in Flandern nicht mehr aus, wie aus einer Umfrage des Pflege- und Krankenhausnetzwerks Zorgnet-Icuro, das größte entsprechende Netzwerk in Flandern, ersichtlich ist.

Jede 10. Einrichtung hat mit diesem Problem zu kämpfen: Abteilungen werden geschlossen, Wohngruppen müssen umdisponiert und neu zusammengestellt werden und inzwischen setzen die Zentren schon ihre eigenen Physiotherapeuten ein, um die Bewohner zu betreuen. Die meisten der betroffenen Wohn- und Pflegeheime werden wohl vorerst keine neuen Bewohner mehr aufnehmen. 

Unsere Leute waren am Ende und haben sich dazu entschieden, etwas anderes zu machen. Entweder, weil sie krank wurden oder weil sie damit fertig waren. Und damit haben wir jetzt ein Personalproblemen im gesamten Pflege- und Krankenhauswesen.“

Klaartje Theunis, Personaldirektorin Zorgnet-Icuro

Die Probleme sind vielseitig, wie Klaartje Theunis, die Personaldirektorin von Zorgnet-Icuro gegenüber VRT NWS dazu erklärt: „Da ist das Problem der Vergreisung. Mehr und mehr Senioren brauchen intensive Pflege und Betreuung. Und das wird lange so sein. Doch das größte Problem ist das Personal bzw. der Personalmangel.“

„Nach der Corona-Pandemie haben wir in den Pflegeinrichtungen und in den Krankenhäusern viele Abgänge erlebt. Die Leute haben zwar für den Pflegesektor applaudiert, doch viele Mitarbeiter sind gegangen. Unsere Leute waren am Ende und haben sich dazu entschieden, etwas anderes zu machen. Entweder, weil sie krank wurden oder weil sie damit fertig waren. Und damit haben wir jetzt ein Personalproblemen im gesamten Pflege- und Krankenhauswesen“, so Theunis weiter.

Auswege?

Ein Lösungsansatz für diesen Pflegenotstand ist wohl, mit Zeitarbeitskräften und mit selbständigen Altenpflegern oder -pflegerinnen zu arbeiten, um die größte Not zu lindern, doch das kostet Geld. „Wir wissen alle, dass die Tagestarife der Einrichtungen nicht mehr angehoben werden können, um diese zusätzlichen Kosten zu bezahlen“, erklärt wie Klaartje Theunis von Zorgnet-Icuro weiter erklärt: „Das ist schon jetzt teuer genug“.

In den Provinzen Limburg und Westflandern, wobei das Problem hier am größten ist, muss man von einem weitreichenden aber befristeten Aufnahmestopp ausgehen, wie bei Zorgnet-Icuro vermutet und sogar erwartet wird. Wie dieses akute Personalproblem letztendlich gelöst werden kann, muss sich noch erweisen, so Theunis: „Das geht vom flexibleren Einsatz der Beschäftigten bis hin zu mehr Geld für den Sektor oder zu auch gesetzgebenden Initiativen, die mehr Spielraum bieten.“  

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