Öl-Industrie im Hafen von Antwerpen

Ölhändler aus der Schweiz gibt auf und schließt seinen Standort im Antwerpener Hafen

Das Schweizer Unternehmen Gunvor plant zum Jahresende die Schließung seines Umschlagplatzes im Hafen von Antwerpen. 74 Arbeitsplätze gehen dadurch verloren. Durch den Ukraine-Krieg sind die Ölpreise enorm gestiegen. Das ist ein Grund für die Schließung von Gunvor Petroleum Antwerpen. Doch auch die Energiewende weg von fossilen Quellen sorgt für Druck auf die Ölmärkte und -preise, wie die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd dazu schreibt.

Das Schweizer Ölhandelsunternehmen Gunvor hat 2021 noch einen Nettogewinn von rund 710 Mio. € verbuchen können, den höchsten Gewinn seit 2015. Doch seit dem haben sich die Zeiten geändert, auch für einen Ölhändler in großem Stil. Gunvor Petroleum Antwerpen bringt Öl mit Schiffen zum Standort in Lillo im Antwerpener Hafen und pumpt dieses über seine Anlagen in Fässer, die hier gelagert werden, bis sie mit weiteren Schiffen zu den Großhändlern und/oder Endverbrauchern befördert werden.

Doch am vergangenen Dienstag kündigte Gunvor im Rahmen einer außergewöhnlichen Betriebsversammlung an, seine Aktivitäten im Antwerpener Hafen bis zum Jahresende zu beenden. In einer Pressemitteilung heißt es dazu: „Auch wenn wir nach verschiedenen Möglichkeiten suchen, unsere Aktivitäten an diesem Standort operationell zu belassen, schließen geopolitische und makroökonomische Entwicklungen die Überlebenschancen der Anlagen langfristig aus.“

Wirtschaftlich nicht mehr zu verantworten?

Gunvor hält es demnach wirtschaftlich nicht mehr für verantwortbar, in Antwerpen in Aktivitäten und Produkte zu investieren, die nachhaltiger sind als Öl. Für die Belegschaft des Schweizer Unternehmen ist diese Ankündigung völlig unerwartet gekommen. Niemand habe dies erwartet, so ein dort beschäftigter Arbeiter. Man habe dies nicht kommen sehen, angesichts von offenbar gut laufenden Aktivitäten und Aufträgen.

Die Gewerkschaften laufen Sturm gegen diese mögliche Schließung. Vor zwei Jahren hatte Gunvor bereits seine Ölraffinerie geschlossen, wobei 230 beschäftigte ihren Job verloren hatten. Bei der sozialistischen Gewerkschaft ABVV hieß es dazu, dass innerhalb von nur zwei Jahren 300 Antwerpener Familien von einer Schließung eines Gunvor-Standortes betroffen seien. 

Wer saniert das Betriebsgelände?

Gunvor kann diese Frage derzeit noch nicht beantworten. In der bereits oben erwähnten Pressemitteilung schreibt das Unternehmen dazu, dass man „in Gesprächen mit anderen Parteien bleibt, die den Standort übernehmen könnten, ohne die Aktivitäten fortzuführen.“ 

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