Unternehmen in der Genter Hafen- und Industriezone haben Vorräte an Kohlen aus Russland angelegt

Mehrere Großunternehmen aus dem Industriegebiet am Kanal und am Hafen von Gent haben in den vergangenen Monaten große Vorräte an Kohlen aus Russland angelegt. Angesichts des jetzt akut werdenden Importverbots für Kohle aus Russland aufgrund der Ukraine-Sanktionen haben die Unternehmen vorgesorgt. Im Allgemeinen sind die Häfen des North Sea Port, zu denen auch Gent gehört, von den Sanktionen gegen Russland aber nicht schwer betroffen.

Ab dem Stichtag 11. August darf in die Europäische Union keine Kohle mehr aus Russland eingeführt werden. Dies ist eine der neuen Sanktionen gegen Russland nach dem Einmarsch in die Ukraine.

Doch vorher haben sich noch viele Unternehmen große Mengen an russischer Kohle besorgt, auch solche aus dem Genter Industriegenbiet, wo viele Firmen und besonders Großunternehmen mit Gas heizen oder Energie für Produktionsprozesse aus Gas gewinnen.

In der ersten Jahreshälfte 2022 haben Unternehmen aus Gent 13 % mehr russische Kohle importiert, als im gleichen Vorjahreszeitraum. Aber, die Unternehmen sind auch auf Suche nach neuen Lieferanten gegangen. Hier werden Kohlezechen und -gruben in Südafrika und in Südamerika interessant.

Normalerweise erreichen Gent pro Jahr rund 2 Millionen Tonnen russische Kohle, von denen ein Löwenanteil an das Werk des Stahlkonzerns ArcelorMittal im Genter Seehafen geht. 

Sanktionen gegen Russland

Im Allgemeinen trifft das Sanktionspaket gegen Russland die Häfen aus dem North Sea Port-Verband (Gent, Terneuzen, Vlissingen) zwar, aber nicht so hart, wie befürchtet. Russland ist eigentliche einer der wichtigsten Handelspartner des Fusionshafens. 2021 wurden hier rund 6,3 Mio. Tonnen an Waren und Gütern aus Russland umgeschlagen.

Das ist etwa ein Zehntel des Gesamtumschlags von rund 70 Mio. Tonnen. Der Handel mit Russland betrifft in erster Linie Kohlen (siehe oben), aber auch Öl, Düngemittel, (Holz)Pellets oder Korn. Der Export nach Russland ist zu vernachlässigen.

Aus den genannten Häfen gehen (oder gingen bisher) gerademal Waren und Güter in einer Menge von 100.000 Tonnen nach Russland. Große Absatzmärkte gingen durch die Ukraine-Sanktionen hier nicht verloren. 

North Sea Port
ArcelorMittal-Stahlwerk in Gent (Archivfoto)

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