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Explosionen und Drogenkrieg in Antwerpen: Wer ist politisch verantwortlich?

Alleine in dieser Woche wurde der Antwerpener Distrikt dreimal von Explosionen aufgeschreckt. Diese Anschläge werden auf den seit geraumer Zeit in der Hafenmetropole wütenden Drogenkrieg zurückgeführt. Jetzt schieben sich Politiker aus Antwerpen und aus der belgischen Bundesregierung gegenseitig die Schuld dafür zu, dass dem bisher kein Ende bereitet werden konnte.

Bart De Wever (N-VA), der Bürgermeister von Antwerpen, beklagt sich darüber, dass die Lokalpolizei seiner Stadt alles daran setze, dem Spuk ein Ende zu bereiten, doch seine Polizisten würden dabei nur wenig von der belgischen Bundespolizei unterstützt.

De Wever ist der Ansicht, dass die Bandenkriminalität und der Krieg zwischen verschiedenen Drogenclans in Antwerpen auf belgischer Bundesebene keine Priorität hat und dass sich die Minister in Brüssel dafür nicht interessieren würden. 

Bundesinnenministerin Annelies Verlinden (CD&V) lässt diese Kritik nicht auf sich sitzen und reagiert auf die Stellungnahme des Antwerpener Bürgermeisters. Die flämische Christdemokratin erinnert De Wever daran, dass sie als Justizministerin von ihrem Vorgänger, dem N-VA-Politiker und heutigem flämischen Ministerpräsidenten Jan Jambon, ein schweres Erbe übernommen habe.

Kritik zurückgewiesen

Jambon habe bei der Polizei gespart und diese Mittelkürzungen würden sich bis heute durch die Arbeit des Innenministeriums ziehen. Inzwischen aber habe sie für die Polizei 310 Mio. € freigemacht und rund 1.000 neue Stellen für Polizisten geschaffen. Die entsprechenden Rekrutierungen und Ausbildungen laufen auf Hochtouren: „Es ist in dieser Legislaturperiode einiges in den föderalen Polizeidienste investiert worden.“

Die Innenministerium erinnerte den Antwerpener Bürgermeister auch daran, dass das Bundesjustizministerium auch die Staatsanwaltschaft in seiner Stadt verstärkt und mit zusätzlichen Mitteln versehen habe: „Die lokale Polizei ist das Auge und das Ohr auf dem Terrain. Auch sie muss ihren Teil dazu liefern. Und das Antwerpener Korps ist groß, sehr groß und verfügt über viele Mittel.“

Inzwischen wird die Angst in den von den Anschlägen betroffenen Stadtvierteln immer größer. Die Anwohner sparen dabei auch nicht mit Kritik an ihrem Bürgermeister. Er sei hier nicht zugegen und immer abwesend und Stadteilpolizisten oder Viertelbeamten kenne man hier nicht, so ein beunruhigter Antwerpener gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen. 

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