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Gruselig, aber wahr: Gebeine der Gefallenen in Waterloo von der Zuckerindustrie verarbeitet

Die Gebeine der gefallenen Soldaten in der Schlacht von Waterloo sind von den Anwohnern ausgegraben und an die lokale Zuckerindustrie verkauft worden. Zu diesem Ergebnis ist ein internationales Team von Wissenschaftlern gekommen. Die Schlacht von Waterloo im Jahre 1815 führte zur endgültigen Niederlage des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte. 

Die Niederlage der französischen Truppen gegen die Alliierten unter dem englischen General Wellington und dem preußischen Feldmarschall Blücher bedeutete das endgültige Ende der Herrschaft Napoleons und des Französischen Kaiserreichs. 

Bei der Schlacht von Waterloo im Süden von Brüssel kamen zehntausende Soldaten ums Leben. Merkwürdigerweise jedoch konnten bei Ausgrabungen an der historischen Stätte bisher kaum menschliche Überreste gefunden werden. Die berühmte Schlacht gab Historikern also auch ein großes Rätsel auf.  

Vor diesem Hintergrund hatte sich jetzt ein internationales Team in den Archiven vergraben und einige der seltenen menschlichen Überreste vor Ort freigelegt. 

Das Team trat jetzt mit einem besonders gruseligen Untersuchungsergebnis an die Öffentlichkeit: Die Gebeine der gefallenen Soldaten von Waterloo sind wohl von der lokalen Zuckerindustrie verarbeitet worden und in den Kaffee und Kuchen gelandet.  

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Knochenkohle

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Gefallenen in den Jahren nach der Schlacht von den Einheimischen ausgegraben und an die Zuckerindustrie verkauft worden sind. Um Zuckerrüben zu reinigen, verwendeten die Zuckerraffinerien damals Knochenkohle. Diese wird normalerweise aus verkohltem Rindsleder, aus Tierblut, -fleisch oder -knochen hergestellt. 

Den Wissenschaftlern zufolge sind in den Jahrzehnten nach der Schlacht von Waterloo nicht nur Tierknochen, sondern auch die Gebeine gefallener Soldaten in den Zucker gelandet. 

VIDEO des öffentlich-rechtlichen Senders RTBF über die Untersuchungen auf dem Schlachtfeld von Waterloo

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Weil die Landwirtschaft, vor allem in der damaligen Zeit, nicht viel einbrachte, rundeten die Bauern ihren Verdienst mit dem Verkauf von Knochen auf. Mit einigen Karren Knochen ließ sich ein Vielfaches dessen verdienen, was sie sonst in ihrem ganzen Leben zusammenkratzen konnten. Vor allem, nachdem in den frühen 1830er Jahren ein Gesetz erlassen wurde, das den Handel mit (Tier-)Knochen finanziell sehr interessant machte.  

Ab 1834 finden sich in allen möglichen Archiven Hinweise auf "Zwischenfälle" am Ort der berühmten Schlacht. "So berichtet ein deutscher Geologe, dass Bauern auf dem ehemaligen Schlachtfeld in Waterloo Knochen ausgegraben haben", weiß der Historiker Bernard Wilkin, der an der Untersuchung beteiligt war: "Vermutlich sind es Pferdeknochen, aber jemand scherzt gleichzeitig, dass man die Knochen der kaiserlichen Garde leicht mit Pferdeknochen verwechseln könnte." 

Lange Zeit ein offenes Geheimnis

Eine deutsche Zeitung empfahl sogar, lieber Honig zum Süßen des Kaffees zu verwenden, “um zu vermeiden, dass Sie morgens die Atome Ihrer Urgroßeltern trinken, was - wie wir alle wissen - mit Zucker durchaus möglich ist.” 

Nach Angaben der RTBF sind die Ausgrabungen in Waterloo sogar im Parlament zur Sprache gekommen, in denen die örtlichen Behörden aufgefordert werden, einzugreifen. 

Unter anderem bittet der damalige Bürgermeister von Eigenbrakel den örtlichen Gendarmeriekommandanten, die Ausgrabungen auf der Grundlage von Artikel 360 des Strafgesetzbuches zu unterbinden."  

Die Gebeine der Toten wurden aber nicht nur zur Herstellung von Zucker verwendet. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass zumindest ein Teil zu Knochenmehl gemahlen wurde, um die Felder zu düngen.

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