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Kernkraft in Belgien: Kann die Demontage des Meilers Doel 3 verschoben werden?

Nach Ansicht der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC kann der Rückbau des Meilers Doel 3 im gleichnamigen AKW bei Antwerpen (Video oben) nach dem geplanten Herunterfahren Ende September ausgesetzt werden. Dies sagte Bundesinnenministerin Annelies Verlinden (CD&V) am Donnerstagabend in der VRT-Sendung „Terzake“ („Zur Sache“). Sie hatte prüfen lassen, ob es sicherheitstechnisch möglich sein kann, die Demontage des Meilers zu verschieben, „um keine unumkehrbaren Handlungen“ zu tätigen. Die FANC sieht die Sache aber etwas nuancierter, wie in einer Erklärung zu lesen ist, die VRT NWS vorliegt. 

Der Atommeiler Doel 3 ist einer der seit Jahren in den Schlagzeilen stehenden Meiler in den belgischen Kernkraftwerken, bei denen Haarrisse in der stählernen Ummantelung der Reaktorhülle festgestellt wurden.

Dieser Meiler, der 1982 ans Netz gegangen ist, soll, so sieht es das belgische Gesetz zum Atomausstieg vor, ab dem 23. September - also nach 40 Jahren Betrieb - heruntergefahren und vom Netz genommen werden, um am Stichtag 1. Oktober abgeschaltet zu sein. Danach sollte eigentlich zügig mit dem Rückbau begonnen werden.

Doch Belgiens Innenministerin Verlinden wollte prüfen lassen, ob der Rückbau nicht vielleicht verschoben oder ausgesetzt werden kann (siehe nebenstehenden Beitrag), um irreversible Entscheidungen zu verhindern. Vielleicht, so die Ministerin am Donnerstag in „Terzake“, könne man sich ja angesichts der Energiekrise mit Kraftwerksbetreiber Engie auf einen möglichen Weiterbetrieb einigen.

Die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC hat den Vorgang bzw. die Anfrage der Ministerin geprüft und teilte nach Angaben der Ministerin mit, dass eine Änderung der Pläne zum Rückbau von Doel 3 möglich ist. Dabei werde die nukleare Sicherheit maximal berücksichtigt, so Verlinden.

Die Atomaufsichtsbehörde sieht die Sache nuancierter…

Bei der Atomaufsichtsbehörde FANC hält man allerdings ein Aufschieben der Demontage von Doel 3 nicht für ein Zeichen von „guter Politik“. Durch die sehr späte Anfrage von Innenministerin Verlinden könne ein Herausschieben des Abbaus „eine Gefahr für die nukleare Sicherheit darstellen“, wie in einer Erklärung der Behörde zu lesen ist, die VRT NWS vorliegt. Dies ist eine völlig andere Sichtweise als die der Ministerin.

In der Erklärung der FANC heiß es: „Die FANC kann nicht garantieren, dass ein spätes und unvorbereitetes Scenario einige Tage vor dem definitiven Stopp von Doel 3 kein Risiko für die nukleare Sicherheit darstellt.“ Eigentlich bedeutet dies das völlige Gegenteil von dem, was die Innenministerin am Donnerstag und am Freitag zu diesem Thema sagte. 

Warum ließ Verlinden den Vorgang prüfen?

In „Terzake“ erklärte die flämische Christdemokratin noch einmal, warum sie der Atomaufsichtsbehörde die Frage nach einer möglichen Aussetzung des Rückbaus gestellt habe: „Wir mussten in den letzten Monaten feststellen, dass unsere Energieabhängigkeit zu großen Problemen führen kann. Und darüber verhandeln wir mit Kraftwerksbetreiber Engie. Was ich wissen wollte ist, ob wir  unumkehrbaren Handlungen verschieben können, bis wir eine Sicht auf die Energiesicherheit für die kommenden Jahre haben.“

Sie habe diese Frage aus ihrer Befugnis für die nukleare Sicherheit heraus gestellt und nicht, weil sie den Reaktor Doel 3 weiter in Betrieb lassen wolle: „Diese Schließung ist schon sehr lange geplant und wir werden innerhalb der Regierung schauen müssen, ob eine Laufzeitverlängerung oder ein Wiederhochfahren wünschenswert ist.“

Normalerweise ist es so, dass sobald die chemische Reinigung des primären Kühlkreislaufs eines Atomreaktors nach dem Herausnehmen der Brennstoffelemente begonnen hat, ein Wiederhochfahren dieses Reaktors nuklear- und sicherheitstechnisch nicht mehr möglich ist. 

Das AKW Doel bei Antwerpen
Flip Franssen

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