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Für 8 von 10 Pensionierten reicht die gesetzliche Rente nicht, um das Seniorenwohnheim zu bezahlen

Für mehr als jeden achten Pensionierten in Belgien reicht die gesetzliche Rente nicht mehr aus, um einen Aufenthalt in einem Seniorenheim zu finanzieren. Zu dieser Feststellung kommen der VRT-Journalist Michaël Van Droogenbroeck und sein Kollege vom Wochenmagazin Knack, Ewald Pironet in ihrem Buch „Investeren in de derde helft van je leven“, zu Deutsch etwa „In die dritte Halbzeit des Lebens investieren“. 

Die gesetzliche Rente beträgt in Belgien 46 % des letzten verdienten Lohns oder Gehalts. Damit liegt unser Land in dieser Hinsicht etwa im Mittelfeld. Die Renten sind hier weder auffallend hoch, noch wirklich niedrig, schreiben Van Droogenbroeck und Pironet in ihrem Buch. Doch wenn sie nicht mehr reicht, um einen Aufenthalt im Seniorenheim zu finanzieren, liegt doch ein Problem vor.

Durchschnittlich verfügen die Rentner in Belgien, die eine vollständige berufliche Laufbahn von etwa 40 Jahren als Arbeitnehmer vorweisen können, über eine monatliche Pension von 1.250 bis 2.000 €. Bei Selbständigen oder Freiberuflern, die ähnlich lange gearbeitet haben, liegen die Sätze mit 1.250 bis 1.375 € etwas niedriger. Beamten hingegen können mit einer monatlichen Pension von zwischen 2.500 und 3.500 € rechnen.

Zudem sind die Renten in Belgien an die Lebenshaltungskosten gebunden und steigen mit der Inflation, mit dem Index und mit dem Schwellenindex. Hinzu kommt noch, dass die gesetzlichen Renten von Arbeitnehmern und Selbständigen alle 5 Jahre um 2 % angehoben werden, was für die Beamten alle 2 Jahre geschieht. 

Was kostet ein Aufenthalt in einem Seniorenwohnheim?

2020 lebten im belgischen Bundesland Flandern etwa 5,3 % aller Über-65-Jährigen in einem Wohn- oder Pflegeheim - etwa 70.000 Personen. Das Durchschnittsalter lag damals bei 87 Jahren und gilt  in diesem Buch als Referenz.

Die Preise beinhalten alle notwendigen Dinge, wie Mahlzeiten, Unterhaltung, Pflege, Energieverbrauch und den Unterhalt der Baulichkeiten. Sie unterscheiden sich aber je nach Betreiber: Ist das Heim privat betrieben oder ist es eine Einrichtung der öffentlichen Hand? Seniorenheime, die z.B. von Kommunen oder anderen Ebenen der öffentlich Hand betrieben werden, sind durchweg billiger als Einrichtungen der Privatwirtschaft.

In Flandern, so erklärt die Landesagentur für Pflege und Gesundheit, liegen die Tagespreise durchschnittlich bei 61,31 € für ein Einzelzimmer und bei 54,08 € für ein Doppelzimmer. Monatlich liegen also die Rechnungen für einen Aufenthalt in einem Seniorenheim zwischen 1.600 und 1.800 €. Inklusive Nebenkosten beläuft sich eine entsprechende monatliche Rechnung auf 1.900 bis 2.100 €. 

Hilfe von Angehörigen oder von der Sozialhilfe

Summa summarum ist es also für verrentete Selbständige eigentlich kaum möglich, einen Aufenthalt zum Lebensende in einem Seniorenwohnheim zu finanzieren, wenn man keine eigenen Rücklagen oder eine Zusatzrente vorweisen kann. In Härtefällen hilft dann das lokale Öffentliche Sozialhilfezentrum, dass dann die finanzielle Situation des Antragstellers analysiert. Gibt es Immobilien, Aktien oder Sparkonten? Zur Not werden auch die direkten Angehörigen finanziell in Anspruch genommen: Ehepartner, Kinder und - je nach Gemeinde - auch die Enkelkinder…

Am besten, und das zeigt dieses Buch, sorgt man in Belgien frühzeitig für Rücklagen, für selbst finanzierte Zusatzrenten und dergleichen, damit man am Lebensabend nicht mit leeren Händen da steht, so der Rat der beiden Autoren. 

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