Justizminister Van Quickenborne: "Wir befinden uns in einer neuen Phase, im Narco-Terrorismus"

Bundesjustizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD, Foto) hat sich zum ersten Mal seit der Vereitelung eines Entführungsversuchs vor einigen Tagen aus seinem Versteck gemeldet. Der Minister und seine Familie sind untergetaucht und leben derzeit unter Polizeischutz an einer unbekannten Adresse. Offenbar wollten ihn Drogenkriminelle entführen.Gegenüber VRT NWS sagte er, dass er weiter gegen die Drogenmaffia kämpfen werde. Vorbild für ihn sei der Kampf der Justiz gegen die Maffia in Italien. 

Der belgische Justizminister Van Quickenborne und seine Familie befinden sich seit Freitag in einem Safehouse unter Polizeischutz, denn die Staatsanwaltschaft nimmt die Bedrohung gegen den flämischen Liberalen sehr ernst. In den Niederlanden waren insgesamt 4 Verdächtige in Zusammenhang mit den Entführungsplänen festgenommen worden und es besteht der dringende Verdacht, dass die Bedrohung gegen den Minister aus Kreisen der niederländischen Drogenmaffia kommt. Für diese ist Belgien und im besonderen Antwerpen ein wichtiger Absatzmarkt und die Drogen werden nicht selten über den Antwerpener Hafen in Europa eingeschmuggelt.

Polizei und Justiz in Belgien gehen seit einiger Zeit verschärft gegen die Drogenmaffia vor und dies passt dieser so gar nicht „in den Kram“. Deshalb hat auch sie einen Gang höher geschaltet, z.B. auch mit Entführungsplänen gegen den belgischen Justizminister, die allerdings zeitig entdeckt wurden. Dennoch spricht Vincent Van Quickenborne aus seinem Safehouse heraus von „Drogenterror“.

Blick in die Niederlande

Natürlich verweist der Justizminister auf die Zustände in den benachbarten Niederlanden, wo in der jüngeren Vergangenheit Anwälte und Gerichtsjournalisten auf offener Straße erschossen wurden. „Ich glaube, dass wir uns in einer neuen Phase befinden“, so Van Quickenborne: „Das ist die Phase des Narco-Terrorismus. Die kriminelle Welt versucht, die Gesellschaft zu destabilisieren und in den Griff zu bekommen, gerade auch, weil sie spürt, dass wir ihr auf den Fersen sind.“

Doch er lässt sich nicht einschüchtern: „Seien sie beruhigt. Diese Regierung tut alles im Kampf gegen die Drogenkriminellen. Die Bundespolizei wird verstärkt und auch bei der Justiz wird einiges in die Wege geleitet. Noch vor dem Sommer haben wir Gesetze im Parlament angenommen, um diesen Kampf anzugehen. Wir werden in keinesfalls aufgeben.“

Vorbild Italien  

„Wir müssen den Kampf so führen, wie in Italien führt“, so Van Quickenborne weiter gegenüber VRT NWS: „Schauen sie, was man in Italien getan hat. Dort hat man auch geglaubt, dass man die Maffia nicht kleinkriegen kann. Dort sind sogar Richter in die Luft gejagt worden. Und wo stehen sie heute? Hunderte Maffiosi sind zu langen Haftstrafen verurteilt worden.“

Dem Minister und seiner Familie geht es den Umständen entsprechend gut: „Es wird sie vielleicht überraschen, doch wir haben und eigentlich noch nie so sicher gefühlt, dank der fachkundigen und professionellen Arbeit der Polizei und den Sicherheitsleuten.“

Natürlich ärgert es ihn, dass er nur auf Abstand arbeiten kann und er würde lieber gestern als heute wieder normal funktionieren, doch er macht sich diesbezüglich noch wenig Illusionen: „Ich habe begriffen, dass es noch lange dauern kann, dass ich unter Polizeischutz leben muss.“ 

Bekannte Gangster wollen nichts damit zu tun haben

In den Medien wurde spekuliert, aus welcher Ecke die Bedrohung gegen den belgischen Justizminister kommen könnte. Hier fielen zwei Namen. Der von Flor Bressers, ein berüchtigter und verurteilter Drogenkrimineller aus Lommel in der Provinz Limburg, der derzeit in der Schweiz in Haft ist und der von „Dikke Nordin“ El Hajioui, der sich aktuell in Dubai aufhält. Beide ließen über ihre Anwälte wissen, dass diese Verdächtigungen aus der Luft gegriffen seien und dass sie sich von solchen Praktiken distanzieren würden…  

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