Merksem bei Antwerpen: Ein Toter bei einer Hausdurchsuchung im rechtsextremen Milieu

Bei einer Hausdurchsuchung im Rahmen von Ermittlungen gegen Rechtsextremisten ist am Mittwochmorgen in Merksem bei Antwerpen eine Person ums Leben gekommen. Die Polizei führte am Mittwoch ähnliche Razzien an rund 10 verschiedenen Stellen, wie die Staatsanwaltschaft gegenüber VRT NWS bestätigte. 

Bei einer dieser Hausdurchsuchungen in einer Seitenstraße der Bredabaan im Antwerpener Distrikt ist eine Person ums Leben gekommen. Dort habe eine Person auf die Polizisten geschossen, die zurückgefeuert haben. Bei dem Getöteten handelt es sich nach Angaben der Antwerpener Staatsanwaltschaft um einen gewissen Yannick V. (36), von dem lediglich bekannt ist, dass dieser Mitglied in einem Sportschießclub sein soll.

Dieser ist nach VRT-Recherchen ein Gold- und Silberhändler, der zudem Waffen und militärisches Material sammelte. In den sozialen Medien profilierte er sich als "Souveräner Bürger". Dies ist eine Bewegung, die sich radikal gegen jedwede Autorität, wie Regierungen oder Polizei, identifiziert. V. ließ in zahlteichen Posts wissen, dass er sich nicht als Mitglied der Gesellschaft sehe und dass er gegen das System sei. Zudem interessierte er sich wohl auch für Verschwörungstheorien.

V. wurde von einer Polizeikugel getroffen. Aus diesem Grunde wurde eine zweite Untersuchung in die Wege geleitet, um herauszufinden, wie der Verdächtige ums Leben gekommen ist. Ein Waffenexperte untersuchte den Tatort, um den Fall zu rekonstruieren. Zudem wird sich das Komitee P, das Aufsichtsorgan für die Polizeidienste in Belgien, dieser Sache annehme. Es wird in Richtung Totschlag ermittelt, so Kristof Aerts von der Antwerpener Staatsanwaltschaft gegenüber VRT NWS. Von den Polizisten wurde niemand verletzt.

Bei den Razzien in Zandvliet, Antwerpen, Deurne, Berchem, Kasterlee und Gent gegen rechtsextreme Kreise handelt es sich nicht um Vorkommnisse, die in Zusammenhang mit dem vereitelten Entführungsplan gegen Belgiens Justizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD). Hier ermitteln Polizei und Justiz aufgrund von möglichen Anschlagsplänen und wegen Verstößen gegen die Waffengesetzgebung in Belgien. 

Offenbar sind bei den Razzien zahlreiche Waffen entdeckt und beschagnahmt worden, von denen nicht alle legal registriert waren. Alleine bei dem Getöteten in dessen Wohnung in Merksem wurden über 100 Waffen und enorme Mengen Munition gefunden. Selbst der Kampfmittelräumdienst der belgischen Armee, DOVO, wurde alarmiert, um eventuelle gefährliche Waffen zu entschärfen oder vor Ort zu begutachten.

Insgesamt wurden 6 Personen von der Polizei bei diesen Razzien zum Verhör festgenommen. Sie müssen vor dem Untersuchungsrichter erscheinen. Dieser wird dann entscheiden, ob gegen die Betroffenen ein Haftbefehl erlassen werden muss. 

MARNIK AERTS
MARNIK AERTS

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