Justizminister bestätigt: Yannick V. wurde monatelang beobachtet und stand auf der Terroristenliste

Mehrere Hauptverdächtige der Operation gegen rechtsextreme Gewalt, darunter der getötete Yannick V., standen auf einer Terroristenliste der Sicherheitsdienste und wurden seit Monaten beobachtet. Das hat Justizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) bestätigt. Er lobte "die sorgfältige Untersuchung und die hervorragende Arbeit unserer Dienststellen".

"Der Staatssicherheitsdienst und die für die Bedrohungsanalyse zuständige Behörde OCAD stellen seit langem fest, dass der Rechtsextremismus in Belgien auf dem Vormarsch ist", sagte Justizminister Van Quickenborne, der sich nach einem vereitelten Entführungsversuch des Drogenmilieus noch immer an einem sicheren Ort befindet, im TV-Magazin "Terzake". "Wir sehen, dass mehr Personen mit rechtsextremer Gesinnung auf der Liste stehen: letztes Jahr etwa 50, jetzt schon mehr als 60." 

Allerdings will der Minister nicht von einer neuen Form des koordinierten Terrorismus sprechen. "Heute handelt es sich hauptsächlich um Einzeltäter, und das Bild ist nicht mehr so eindeutig", so Van Quickenborne: "Es ist ein Flickenteppich von Ideologien, von Einflüssen, die durch Verschwörungstheorien und Desinformation in den sozialen Medien genährt werden." 

"Auf jeden Fall ist es klar, dass Corona auch bei dieser Person ein Brandbeschleuniger für regierungsfeindliches Denken war."

Justizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD)

Auch Yannick V., der bei den Hausdurchsuchungen zur Waffe griff und erschossen wurde, misstraute allem, was mit der Regierung zu tun hatte. "Auf jeden Fall ist es klar, dass Corona auch bei dieser Person ein Brandbeschleuniger für regierungsfeindliches Denken war", sagt Van Quickenborne. 

Bemerkenswert ist, dass Yannick V. eine große Waffensammlung besaß, obwohl er auf der Terrorliste stand. "Im Prinzip achten die Sicherheitsdienste darauf, dass jemand, der auf einer Terrorliste steht, keinen Waffenschein haben darf", sagte Van Quickenborne: "Davon kann aber abgewichen werden, um keine Verdächtigen zu alarmieren."  

Bereits vor einigen Jahren warnte die OCAD vor der Zunahme rechtsextremer Gewalt. Dass dies keine leeren Behauptungen waren, beweist der Vorfall mit Jürgen Conings, einem radikalisierten Soldaten, der schwere Waffen aus einer Kaserne stahl und schließlich im Dilserbos in Limburg Selbstmord beging.  

Justizminister Van Quickenborne im TV-Magazin Terzake am Mittwochabend

"Wir müssen sehr wachsam bleiben, das ist klar", räumt Van Quickenborne ein: "Aber, was heute passiert ist, zeigt, dass diese Menschen seit Monaten überwacht wurden. Dies ist kein Zufall, sondern das Ergebnis sorgfältiger Ermittlungen dank der hervorragenden Arbeit unserer Dienststellen."

Meist gelesen auf VRT Nachrichten