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Kinderaugenärzte warnen: Immer mehr Kinder werden immer jünger kurzsichtig

Immer mehr Kinder leider immer jünger an Kurzsichtigkeit. Das stellen Kinderaugenärzte in ihrer Praxis fest. Brillen und Augentropfen können Abhilfe schaffen, doch besteht die Gefahr, dass kurzsichtige Menschen im Laufe ihres Lebens sehbehindert oder sogar blind werden. Kinderaugenärzte empfehlen daher, dass Kleinkinder durchschnittlich zwei Stunden am Tag draußen spielen, da das Licht im Freien das Wachstum der Augen hemmt.  

Auch Patricia Delbeke, Präsidentin der belgischen Vereinigung der Kinderaugenärzte und Vorsitzende der belgischen Arbeitsgruppe für Myopie, stellt in ihrer Praxis fest, dass immer jüngere Kinder an Myopie leiden. "Für Belgien haben wir keine epidemiologischen Daten", erklärt Delbeke: "Aber wir stützen uns auf Daten aus den Niederlanden. Dort hat man festgestellt, dass etwa 12 Prozent der Neunjährigen bereits kurzsichtig sind. Eine Studie speziell in Rotterdam zeigt, dass dort 22 Prozent der Dreizehnjährigen kurzsichtig sind

Was ist Myopie oder Kurzsichtigkeit?

Kurzsichtigkeit heißt, in in der Ferne nicht gut sehen können. Betroffene können in der Nähe scharf sehen, in der Ferne aber nur unscharf. Dabei wächst der Augapfel zu schnell und wird zu lang. Lichtstrahlen werden vor der Netzhaut gebündelt und Brillengläser werden negativ eingeordnet, z. B. -3 Dioptrien (-3 D).  

“Ich sehe immer mehr junge Kinder, die bereits im Alter von 4, 5, 6 Jahren kurzsichtig werden.”
Patricia Delbeke, Präsidentin des belgischen Verbands der Kinderaugenärzte

"Ich sehe immer jüngere Kinder. Früher wurde Kurzsichtigkeit im Alter von 10 bis 12 Jahre beobachtet. Jetzt sehen wir, dass sich die Myopie im Alter von 4 bis 6 Jahren entwickelt. Wir sehen also, dass Myopie früher auftritt und die Schäden größer sind."   

An sich ist Myopie ein Zustand, der behandelt werden kann. Das Kind bekommt eine Brille, und es gibt auch spezielle Augentropfen, Atropin, die das Wachstum der Augäpfel hemmen und sehr wirksam sind, aber die wirklichen Risiken liegen vor allem auf längere Sicht. 

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Risiken sind vor allem langfristig

"Das große Problem ist, dass sich bei diesen Kindern eine hohe Kurzsichtigkeit von mehr als -5 und -6 entwickeln kann", erklärt Delbeke. "Im Erwachsenenalter bleiben sie hochgradig kurzsichtig und haben ein stark erhöhtes Risiko für Augenkrankheiten (wie Netzhautablösung, Blutungen im Auge ...). Diese Komplikationen können zu Sehstörungen und sogar zur Erblindung führen. Wir können von einer Epidemie sprechen, weil viele Probleme auch im späteren Leben auftreten können, auch mit sozioökonomischen Folgen für die Person selbst und für die Gesellschaft."  

Wie kann man Myopie in jungen Jahren verhindern?

Dass Kurzsichtigkeit in jungen Jahren rasch zunimmt, hängt mit unserem veränderten Lebensstil zusammen: "Myopie ist immer ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Natürlich gibt es eine Vererbung, aber wir sehen auch mehr Kinder, die kurzsichtig sind. Es spielen also auch andere Faktoren eine Rolle. Das liegt vor allem an der Lebensweise der Kinder: Sie halten sich weniger im Freien auf, sind daher weniger dem Tageslicht ausgesetzt und starren häufiger und länger auf Bildschirme".  

“Wir empfehlen, von klein auf täglich zwei Stunden im Freien zu verbringen.”
Patricia Delbeke

Der stärkste Schutzfaktor, um dies zu verhindern, ist einfach der Aufenthalt im Freien bei Tageslicht, das Spielen im Freien und Sport. "Wir empfehlen, von klein auf zwei Stunden am Tag draußen zu sein. Die Lichtintensität ist draußen viel höher als drinnen. Dadurch wächst das Auge weniger, was eine wachstumshemmende Wirkung hat. Dopamin sorgt dafür, dass sich das Längenwachstum des Augapfels verlangsamt."   

Neben dem Licht im Freien ist es auch wichtig, nicht über längere Zeit auf einen Bildschirm zu starren. "Wir können Bildschirme nicht verbieten, aber es ist wichtig, sie in Maßen zu nutzen. Bei kleinen Kindern ist es außerdem wichtig, dass sie mehr als 30 cm von den Augen entfernt sind. 

20 - 20 - 2-Regel

Eine klare Regel ist die "20-20-2"-Regel, so Delbeke. "Nach 20 Minuten Lesen oder Betrachten eines Bildschirms ist es ratsam, die Augen für 20 Sekunden zu entspannen, indem man in die Ferne schaut. Außerdem sollten Sie mindestens 2 Stunden pro Tag im Freien verbringen. 

"Derzeit arbeiten wir auch daran, Child & Family mit ins Boot zu holen, denn auch junge Eltern müssen informiert werden", so Delbeke weiter. "Wir sagen, dass die Vorbeugung von Myopie schon in der Wiege beginnt. Es ist wenig Aufwand, Babys und Kleinkinder viel draußen spielen und sogar schlafen zu lassen. 

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