Eine Anlage zur Produktion von Wasserstoff

Wasserstoffgesetz: Belgien möchte in Europa eine Vorbildfunktion einnehmen

Der Energieausschuss in der Ersten Kammer des belgischen Bundesparlaments hat am Dienstag dem Wasserstoffgesetz zugestimmt. Dieses Gesetz regelt den Transport von Wasserstoff, einer nachhaltigen und erneuerbaren Energie, in unserem Land. Ziel ist, ein Netz von Pipelines zu aufzubauen und dieses von einem Netzverwalter leiten zu lassen, wie dies auch z.B. beim Hochspannungs-Stromnetz (Elia) oder dem Gasnetz (Fluxys) in unserem Land der Fall ist. Belgien nimmt damit eine Pionierrolle innerhalb der Europäischen Union ein.

Das belgische Wasserstoffgesetz ist wohl das erste Gesetz seiner Art weltweit und ist der entsprechenden Gesetzgebung der EU weit voraus. Bundesenergieministerin Tinne Van der Straeten (Groen) hofft, dass unser Land damit zu einem Maßstab werden kann, an dem sich Europa orientiert.

Aktuell verfügt Belgien über ein Wasserstoff-Pipelinenetz von etwa 600 km. Zum Vergleich: Deutschland hat ein ähnliches Netz von etwa 400 km Länge. Nur die USA haben mit 2.600 km ein längeres solches Netz.

Das belgische Wasserstoffnetz ist in Händen des französischen Konzern Air Liquide und befördert z.B. Wasserstoff über die Anschlussstelle in Feluy bei Seneffe in der wallonischen Provinz Hennegau. Von dort aus geht sie weiter in die Hafengebiete Zeebrügges und Antwerpens, wo es Anschlussstellen durch die Kempen in Richtung Niederlande gibt. 

Belgien steht in Sachen Wasserstoff-Technologie gut da

Inzwischen arbeiten rund 100 Unternehmen oder Forschungseinrichtungen in unserem Land an der weiteren Entwicklung dieses Energieträgers und seiner Nutzung, so die Ministerin: „Es besteht die Möglichkeit, dass Belgien das Wasserstofftor Europas werden kann. Unsere Häfen sind in dieser Hinsicht Weltklasse und die Transportinfrastruktur für Erdgas kann für Beförderung von Wasserstoff leicht angepasst werden. Und wir sind gut mit unseren Nachbarländern verbunden.“

Belgien ist nicht nur in dieser Hinsicht innerhalb Europas und direkter mit den Nachbarländern verbunden, sondern schloss auch bereits Verträge zur Kooperation bei der Herstellung von Wasserstoff mit Ländern, wie Chile, Namibia oder Oman ab.

Kritiker sind vorsichtig und fragen sich, ob Belgien hier nicht zu schnell vorgeht, doch auch Europa setzt auf diesen Energieträger für die Zukunft. Das belgische Wasserstoffgesetz betrifft übrigens ausschließlich nachhaltig produzierten, also grünen Wasserstoff. Das Gesetz muss jetzt noch in zweiter Lesung vom Kammerausschuss für Energie besprochen werden, um dann zur Abstimmung der Abgeordneten in der Kammer selbst vorgelegt zu werden.

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